In Pfunds fällt 500 Jahre alte Tradition wegen Virus aus

Die Grabbruderschaft in Pfunds ist immaterielles Kulturerbe. Seit 1511 treffen sich die Mitglieder am Karfreitag, heuer wird zuhause gebetet.

In normalen Jahren versammeln sich die Grabbrüder am Karfreitag in der Liebfrauenkirche in Pfunds.
© Matthias Reichle

Von Matthias Reichle

Pfunds, Nauders – Nicht einmal die beiden Weltkriege konnten die Tradition unterbrechen. Seit 1511 versammeln sich jeden Karfreitag die Pfundser Grabbrüder zum Gebet in der Liebfrauenkirche im Ortsteil Stuben. In langen dunklen Mänteln verharren die Männer und Burschen dort im Gebet vor dem Heiligen Grab – 2013 wurde das besondere Osterbrauchtum zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Heuer wird es erstmals nicht wie gewohnt stattfinden können.

Auch die Heiliggrab-Bruderschaft, immerhin die älteste Anbetungsgemeinschaft im Alpenraum, stellt das Corona­virus nämlich vor riesige Probleme. So groß, dass die Anbetung heuer ausfallen muss, wie Bruderschafts­meister Bernd Thöni bestätigt. Zumindest in der bisherigen Form wird es für die Brüder nicht möglich sein, die Tradition durchzuführen, erklärt er.

In normalen Jahren versammeln sich die Mitglieder am Karfreitag ab 15 Uhr. Zwölf Gruppen wechseln sich ab, jede übernimmt dabei zwei festgelegte Betstunden.

In Pfundser Familien gilt die Mitgliedschaft als große Ehre, sie wird normalerweise vom Vater auf den Sohn vererbt.

„Wir können das Heilige Grab heuer nicht aufbauen, dazu sind 15 bis 20 Leut­e nötig“, erklärt Thöni die Entscheidung. Und natürlich kann man sich aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht in der Kirche treffen.

Der Bruderschaftsmeister kann sich nicht erinnern, dass die Tradition einmal ausgefallen wäre. „Es gab Zeiten, in denen das Grab nicht aufgestellt worden ist.“ Gebetet worden sei aber immer. Auch der Pfundser Bürgermeister Rupert Schuchter bestätigt, dass es die Bruderschaft ohn­e Unterbrechung gab.

Youtube-Kanal als Möglichkeit

Nun sucht man nach einer Alternative. Dekan Franz Hinterholzer hat angeregt, das Gebet zuhause stattfinden zu lassen. „Die Pfundser Grabbruderschaft besteht aus zwölf Gruppen zu je 16 Personen, das macht 192 Mitglieder“, erklärt er. „Jeder Einzeln­e ist heuer eingeladen, bei sich daheim zu beten.“ Selbst wenn es nicht möglich sein sollte, alle von der Idee zu überzeugen, glaubt Hinterholzer, dass man es schaffen kann, die Tradition trotzdem durchzuführen.

Derzeit beschäftigt man sich mit dem Problem, dass damit natürlich der Vorbeter wegfällt. „Nicht jeder kann das allein, es findet immerhin jedes Jahr nur einmal statt.“ Hinterholzer will nun dazu auf seinem Youtube-Kanal etwas anbieten. „Wir arbeiten derzeit fest daran“, erklärt der Dekan. Er sieht es als Herausforderung, neue Möglichkeiten zu finden, damit die Glaubensgemeinschaft auch in diesen Zeiten gemeinsam feiern kann.

Die Nauderer Grabbruderschaft trifft heuer das gleiche Schicksal wie die Pfundse­r – ihre Tradition, die über 200 Jahre alt ist, fällt ebenfalls aus, wie Pfarrer Christoph Giewald bestätigt.

In der Reschengemeinde gibt es traditionell eine groß­e Prozession. „Da sind 300 Personen dabei, das ist in der Quarantäne einfach nicht möglich“, erklärt der Priester. „Was zwei Weltkriege nicht geschafft haben, schafft heue­r das Coronavirus. Das ist das erste Mal seit 200 Jahren, dass die Prozession nicht durchgeführt werden kann.“


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