Tiroler Kunstgalerien: Überleben im Ausnahmezustand

Die meisten Betreiber privater Tiroler Galerien üben sich in Zweckoptimismus, manche versuchen es online. In der Hoffnung auf den unbändigen Appetit potenzieller Käufer auf Kunst in Nach-Corona-Zeiten.

Die Idylle trügt: Auch die Innsbrucker Galerie Maier ist geschlossen. Kunst gibt es durch die großen Auslagen zu sehen und steht im Hof.
© schlocker

Von Edith Schlocker

Innsbruck – „Wir versuchen am Leben zu bleiben“, sagt Elisabeth Thoman, die gemeinsam mit ihrem Mann Klaus seit vielen Jahren eine Galerie mit Standorten in Innsbruck und Wien betreibt. Je nachdem, wie lange geschlossen bleiben muss und somit die Verkäufe praktisch zur Gänze wegbrechen, sei die Situation aber ohne jeden Zweifel existenzbedrohend, so die Galeristin. Da die Standorte von Amts wegen geschlossen werden mussten, wurden die Mietzahlungen eingestellt, solange diesbezüglich Rechtssicherheit besteht. Für die zwei MitarbeiterInnen wurde Kurzarbeit angemeldet.

Besonders bitter ist für eine international umtriebige Galerie wie die der Thomans auch die Absage wichtiger Kunstmessen wie die in Basel, Köln und Wien. Eine Chance orten sie in ihrer Präsenz auf virtuellen Kunst-Plattformen. Diesbezügliche Anfragen würden allerdings höchstens tröpfeln, sagt die Galeristin.

Ins Virtuelle weicht auch der Innsbrucker Galerist Bernd Kugler in einer Ausnahmezeit wie der jetzigen aus. „Intermezzo I“ heißt die mit Arbeiten u. a. von Elke Krystufek, André Butzer, René Luckhardt und Holger Endres zusammengestellte Schau, durch die man sich auf der galeristischen Homepage per Computer klicken kann. Er selbst fühle sich derzeit existenziell nicht bedroht, sagt Kugler, hoffend auf die Zeit nach Corona. Wobei er nicht glaubt, dass die Menschen aus dieser Krise lernen werden, sondern befürchtet, „dass sich danach die Welt noch schneller drehen wird als davor“.

Für die Künstler sei die aktuelle Situation, in der die Verkäufe praktisch zu 100 Prozent wegbrechen, allerdings eine Katastrophe, sagt Bernd Maier, Inhaber der Kitzbüheler Galerie Zeitkunst. Seine Versuche, sie zu unterstützen, könnten nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Diese Woche hätte der dritte Teil seiner großen Herbert-Hinteregger-Personale eröffnet werden sollen. Wann und ob sie überhaupt stattfindet, ist in der Schwebe.

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Genauso wie die von Oliver Laric in der Innsbrucker Galerie Widauer. Der in Berlin lebende Tiroler Künstler hat die Arbeiten speziell für diese Schau produziert, vorfinanziert vom Galeristen. Er könne den Weiterbestand seiner Galerie nur durch den Verkauf von Kunst aus seiner privaten Sammlung sichern, sagt Widauer. Allerdings hätte er sich auch in „normalen“ Zeiten immer selbst subventioniert, um nun auf die unbändige Lust der Menschen auf so etwas Lebensnotwendiges wie Kunst in Post-Corona-Zeiten zu hoffen.

„Meine Arbeit geht mir ab“, sagt der Reither Galerist Gottfried Schmidt. Was ihn belastet, ist die Planungsunsicherheit, etwa der großen Sommerausstellung, die er jährlich parallel zum Europäischen Forum Alpbach ausrichtet und heuer dem Tiroler Künstler Patrick Scherer gewidmet sein sollte.

Schmidt glaubt genauso wie seine Innsbrucker Kollegin Stefanie Moser-Maier (Galerie Maier) nicht an die Präsentation von Kunst im Internet, sondern an das unmittelbare Kunsterlebnis bzw. die persönliche Beratung. Der Ausfall von zwei Messen in Wien und Salzburg sei wirtschaftlich natürlich bitter, „aber wir werden durch diese Krise durchtauchen“, so Moser-Maier. Um die Zeit für zwei geplante Buchprojekte zu nutzen.

Ihn habe die Seuche am schlechtesten Zeitpunkt erwischt, sagt Mathias Mayr, der seit zwei Jahren in der Innsbrucker Mariahilfstraße seine kleine Galerie betreibt. Er habe einen Notfallplan erstellt, ob er diese Krise übertauchen wird, stehe allerdings in den Sternen. Kalt erwischt hat es auch Birgit Fraisl. Sie übersiedelt gerade ihr artdepot in die Innsbrucker Altstadt. Die Bestände sind in einem Zwischenlager gebunkert, der Umbau verzögert sich, „alles steht“. Wann sie ihre neue Galerie eröffnen kann, ist ungewiss. Weitermachen will sie aber auf alle Fälle, hoffend auf die Unterstützung durch die Kunstliebhaber. Doch ob diese nach der Krise Lust und Geld auf bzw. für Kunst haben werden, fragt sich Fraisl. Eine Online-Führung durch die frühzeitig abgebrochene Ausstellung von Ilse Abka-Prandstetter taugt aber als Lustmacher auf alle Fälle (artdepot.co.at).


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