„Notbetrieb“ in Tirol: Digitale Lebensschule ohne Ablaufdatum

Der „Notbetrieb“ für die 60.000 Tiroler Pflichtschüler dürfte wohl noch Wochen dauern. Ob sie dann vielleicht in den Sommerferien die Schulbank drücken müssen, könnte in den nächsten 14 Tagen entschieden werden.

Jetzt wird nicht mehr im Klassenzimmer der Laptop gestartet, sondern zu Hause: Der digitale Unterricht dauert wohl noch Wochen.
© APA (dpa)

Innsbruck – Es ist Schulpflicht, obwohl sich in den Klassenzimmern gähnende Leere ausbreitet. Doch im digitalen Home-Office für rund 60.000 Pflichtschüler soll trotzdem gelernt werden. Und die vom römischen Philosophen Seneca abgewandelte Empfehlung „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ ist aktueller denn je. Obwohl derzeit hauptsächlich Stoff wiederholt wird. „Ziel ist es, bereits im Unterricht erarbeitete Lerninhalte einzuüben, zu vertiefen und zu festigen. Es wird kein neuer Lernstoff angeboten. Lehrerinnen und Lehrer sind angehalten, die Schülerinnen und Schüler mit Arbeitsaufträgen nicht zu überfordern“, sagt Bildungsdirektor Paul Gappmaier. Insgesamt geht es jedoch darum, dass E-Learning zum Teil einer Lebensschule wird.

Für Bildungslandesrätin Beate Palfrader. LHStv. Ingrid Felipe und LH Günther Platter sind die Zahlen beeindruckend, weil Pädagogen und Eltern trotz schwieriger Begleitumstände ihre Kinder zu Hause betreuen und damit Bildung sicherstellen. 30.000 Millionen Zugriffe hat das Tiroler Schulnetzwerk seit 16. März verzeichnet, rund 40.000 Nutzer haben sich registriert. Zudem ist die Anzahl der zu betreuenden Kinder stetig gesunken: Bei den Pflichtschülern bis 14 Jahre werden 252 aktuell betreut, in den Kinderkrippen, Kindergärten und Horten sind es 193 Kinder. Eine bedarfsgerechte Betreuung findet auch in der Osterwoche statt, freut sich Palfrader: „Für diesen Betreuungsdienst haben sich im Schulbereich 1450 Lehrerinnen und Lehrer pro Tag freiwillig gemeldet.“

Wie lange der Notbetrieb ohne Leistungsüberprüfungen, Tests und Schularbeiten noch dauert, kann derzeit niemand sagen. „Allerdings wohl bis nach Ostern“, wie die Bildungslandesrätin erklärt. Und ob der Unterricht heuer in die Sommerferien hinein verlängert wird, darüber diskutieren derzeit die Bildungsdirektoren mit dem Ministerium. „Derzeit gehen wir aber noch von einem regulären Schulschluss aus, aber wir tauschen uns derzeit auch über eine Verkürzung der Sommerferien aus. In ein, zwei Wochen wird man mehr sagen können“, erklärt Gappmaier.

Sorgen bereitet dem Bildungsdirektor, dass es von schwächeren Schülern derzeit noch keine Rückmeldung an die Lehrkräfte bzw. Schulen gibt. „Deshalb werden wir heute eine entsprechende Erhebung dazu durchführen.“ Und das Land will außerdem finanzschwächeren Familien unter die Arme greifen. Die Tiroler Landesregierung beschließt deshalb heute einen „Digi-Scheck“ zur finanziellen Unterstützung bei der Beschaffung von digitaler Schulausrüstung.

Kritik kommt indes von der SPÖ: Die mangelnde IT-Ausstattung der Schulen und die beträchtliche Anzahl von Lehrpersonen, denen die pädagogisch-didaktischen Kenntnisse im digitalen Bereich fehlen, seien der Umsetzung der „Digitalisierungsstrategie“ des Landes und den aktuellen Gegebenheiten im Home-Schooling nicht zuträglich, betont LA Benedikt Lentsch. (pn)


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