Tiroler Schutzausrüstung für Ärzte und Pfleger frisch aus dem Drucker

Private Initiativen beliefern medizinische Einrichtungen mit Masken und Schutzschildern aus dem 3D-Drucker.

Thomas Hlinka vor seinen Druckern. Er trägt eines seiner „FaceShields“ und hofft, dass noch mehr 3D-Drucker bei dem Projekt mitmachen.
© Hlinka

Von A. Dähling und D. Daum

Hart i. Z., Axams – 3-D-Druck ist sein Hobby. Jetzt wird der Installateur Thomas Hlinka damit für viele Ärzte und Pfleger zum Retter in der Maskenmangel-Not. Denn Hlinka stellt mit seinen Druckern nun Schutzschilder her, die er medizinischen Einrichtungen zur Verfügung stellt. „Die Firma Prusa Research hat uns Druckern das Design dafür kostenlos zur Verfügung gestellt“, erzählt Hlinka. „Das Ganze unterliegt dem Ehrencodex der 3D-Druck-Community, sich damit nicht bereichern zu wollen: Spenden dagegen werden angenommen.“ Fünf Drucker laufen derzeit Tag und Nacht bei ihm in Hart, ein sechster ist bereits bestellt. Fünf Stunden braucht ein Drucker zur Herstellung eines Stücks.

„Die Schutzschilder sind aus Folien für Overhead-Projektoren und werden in Handarbeit fertig gestellt. Sie decken das gesamte Gesicht ab und dienen als Spuckschutz“, schildert der Zillertaler. Auf die Idee kam er, weil seine Frau im Zahnambulatorium arbeitet. Dort sei seine Schutzausrüstung bereits im Einsatz, von vielen anderen Ärzten liegen inzwischen Bestellungen vor.

„Auch zwei Kliniken haben Interesse angemeldet“, freut sich Hlinka. Es gebe auch eine Firma, die die gleichen Masken herstellt und verkauft. „Ich finde, man muss jetzt damit kein Geschäft machen, ich mache es gerne und hab’ ja derzeit sonst nichts zu tun.“ Hlinka ist einer von vielen, die derzeit auf die Herstellung von Schutzausrüstung umgerüstet haben.

So produziert Richard Mayr aus Axams derzeit Schutzmasken aus dem 3D-Drucker. Der Pensionist betreibt die Computeria im Ort und hat sich eigentlich nur mal zum Spaß an einer Schutzmaske versucht. Aus Spaß wurde Ernst. „Ich habe das Modell innerhalb meines Mailverteilers verschickt und enorme Rückmeldungen bekommen. Das Ganze bekam eine Eigendynamik“, erzählt Mayr, der plötzlich sogar eine 200-Stück-Bestellung von der Klinik erhielt. „Nachdem ich das nicht zusammenbringe, habe ich mal herumgefragt, wer helfen könnte“, so Mayr. Der Respons war gut, die Hilfsbereitschaft enorm. Unter anderem bekommt Mayr von der HTL Fulpmes Unterstützung. Die Schule sei derzeit zwar leer, wie Direktor Martin Schmidt-Baldassari sagt, aber „einige engagierte Lehrer haben die 3D-Geräte zu sich nach Hause genommen und drucken nun Tag und Nacht“. Das sei wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts, sagt Schmidt-Baldassari.

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Unterstützung kommt auch vom FabLab Innsbruck und privaten Druckern. Die Auslieferung übernimmt Richard Mayr. „Jetzt weiß ich erst so richtig, was Pensionsstress heißt“, lacht der Axamer. Bislang konnten 100 Masken an die Klinik Innsbruck sowie niedergelassene Ärzte und Physiotherapeuten geliefert werden. 200 Masken sind aktuell in Produktion. Verkauft werden sie zum Selbstkostenpreise. Mayr sucht dringen weitere 3D-Drucker, die sich der Initiative anschließen. Wer also 3D-Druckkapazitäten hat, möge sich bitte bei Richard Mayr per Mail an computeria.axams@gmail.com melden.


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