„Strategische Reserve der Republik“: Tirols neuer Militärkommandant im Interview

Tirols neuer Militärkommandant will das Vertrauen in das Österreichische Bundesheer stärken: „Die Menschen sollen merken, dass das Bundesheer da ist, wenn andere an ihre Grenzen stoßen.“

Die Kommandoübergabe von Generalmajor Herbert Bauer (r.) an Oberst dG Ingo Gstrein (l.), im Bild mit Generalleutnant Franz Reißner, dem Kommandanten der Landstreitkräfte (M.), erfolgte einsatzmäßig.
© MilKdo Tirol/Hörl

Innsbruck – Wechsel an der Spitze des Militärkommandos Tirol: Generalmajor Herbert Bauer übergab die Führung gestern an seinen Nachfolger, Oberst des Generalstabsdienstes Ingo Gstrein. Der gebürtige Imster ist 45 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung skizziert der gelernte Pionieroffizier, wie er seine neue Aufgabe anlegen will und welche Ziele er sich gesteckt hat.

Herr Oberst, Sie haben gestern Ihr Amt als Militärkommandant von Tirol angetreten. Mit welchen Gefühlen?

Oberst Ingo Gstrein: Es herrscht derzeit eine schwierige Ausgangssituation, die mich persönlich natürlich auch zum Nachdenken veranlasst. Ich werde mit meinen Fähigkeiten, meinem Willen und aus tiefstem Herzen heraus versuchen, die Einsatzführung so zu gestalten, dass das Militärkommando als Sicherheitsanbieter in Österreich und in Tirol auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielt und die anstehenden Herausforderungen bewältigt. Das ist ganz essenziell, gerade jetzt in der Corona-Krise. Ich will mit einer offenen Kommunikation gegenüber den eigenen Bediensteten, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit das Vertrauen in die Organisation stärken. Die Menschen sollen merken, dass das Bundesheer da ist, wenn andere an ihre Grenzen stoßen, als strategische Reserve der Republik. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.

Hat dieses Vertrauen in das Bundesheer als Institution zuletzt gelitten?

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Gstrein: Die Wertschätzung wird nicht zuletzt auch mit finanziellen Mitteln ausgedrückt. Da war in den letzten Jahren ein Aufwärtstrend festzustellen. Den gilt es fortzuführen und zu verstärken.

Sie erwähnten Herausforderungen für das Österreichische Bundesheer. Wo sind die Ihrer Meinung, abgesehen von der Bewältigung der Corona-Krise?

Gstrein: Wichtig ist, dass wir regionale Kräfte verfügbar haben, die im Bundesland rasch Unterstützung anbieten können. Und dann gibt es im Bundesheer einen Investitions-Stau, der nur abgearbeitet werden kann, wenn der Aufwärtstrend bei der finanziellen Ausstattung beibehalten wird. Wir sind einsatzbereit, das sieht man jetzt im Zuge der Corona-Krise. Im Nachhinein wird man aber analysieren, wo es Verbesserungspotenzial gibt, und entsprechend nachjustieren.

Stört es Sie, dass die Kommandoübergabe „nur“ einsatzmäßig stattfand, also ohne Ehrengäste, Ehrenformation und Militärmusik?

Gstrein: Außergewöhnliche Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Generalmajor Bauer hat mir ein Kommando übergeben, das er sehr umsichtig geführt hat und das in diesem Einsatz bewiesen hat, dass es funktioniert. Ob der Führungswechsel im großen oder eben im kleinen Rahmen stattfindet, spielt keine Rolle. Das ist einfach den Umständen geschuldet. Für mich zählt die Aufgabe und dass ich mich bestmöglich einbringen kann in diese Aufgabe.

Wenn Sie bei einer großen Zeremonie eine Ansprache gehalten hätten: Wie hätte das Motto gelautet?

Gstrein: Als Tiroler Offizier zurück in Tirol. Dann hätte ich meine Ziele formuliert.

Die da wären?

Gstrein: Die hatte ich mir schon vorher überlegt, und die haben sich jetzt in der Corona-Krise verfestigt. Es geht einerseits darum, regional verfügbare Kräfte zu stellen, die im Krisenfall rasch unterstützend eingreifen können. Ein zweites Ziel ist die enge Abstimmung mit den regionalen Behörden und Blaulichtorganisationen, weil größere Krisen immer einen gesamtheitlichen Ansatz und eine dementsprechende Koordination erfordern. Und schließlich will ich mit einer offenen Kommunikation erreichen, dass sich junge Leute wieder angesprochen fühlen, zum Heer zu kommen und allfällige Pensionsabgänge, die jetzt mittelfristig kommen werden, abzufedern. Alles zusammen soll bewirken, dass wir in Tirol über ein einsatzfähiges Bundesheer verfügen, das helfen kann, wenn andere das nicht mehr können.

Die Stärke der von Ihnen angesprochenen regionalen Kräfte hat zuletzt immer wieder gelitten. Ich erinnere nur an die Diskussionen rund um den Hubschrauberstützpunkt in Vomp, das Militärspital in Innsbruck oder den Abzug der Pioniere aus Tirol.

Gstrein: Der Hubschrauberstützpunkt in Vomp ist wieder in Betrieb, wenn auch nicht permanent besetzt. Auch das Sanitätszentrum West ist in Betrieb, wenn auch nicht mehr mit der Leistungsfähigkeit wie vor einigen Jahren. Und wir haben jetzt zwar keine Pionierkompanie mehr, allerdings gibt es eine Kompanie in Landeck, die dem Militärkommando direkt zugeteilt ist und rasch zum Einsatz gebracht werden kann. Ich werde meine Vorgesetzten immer wieder daran erinnern, dass es hier eben regionale Bedürfnisse gibt, die man berücksichtigen sollte.

Das Interview führte Mario Zenhäusern


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