Corona-Stichprobenstudie startet heute: „Alle sollen mitmachen“

2000 Österreicher werden ab heute in einer Stichprobenstudie auf Corona getestet. Sozialforscher Hofinger erwartet sich damit präzisere Auskunft über die Dunkelziffer.

Bis nächste Woche sollen die Ergebnisse der ersten österreichweiten Corona-Studie vorliegen.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Michael Sprenger

Wien – Österreichweit ist das Meinungs- und Sozialforschungsinstitut SORA vor allem wegen seiner präzisen Hochrechnungen an Wahl­abenden bekannt. Jetzt ist das Institut mit der ersten großen Stichprobenstudie beauftragt worden, um die Ausbreitung des Coronavirus feststellen zu können. „Es handelt sich dabei um eine Periodenprävalenz. Es geht also darum festzustellen, wie viele Personen in Österreich vom neuartigen Virus in einer bestimmten Zeitspanne angesteckt worden sind. So können wir auch die Dunkelziffer der Erkrankten abschätzen“, erklärte SORA-Geschäftsführer Christoph Hofinger im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Ab heute Mittwoch werden in den kommenden drei Tagen bei 2000 Personen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 durchgeführt. Die Tests sind freiwillig. Allerdings hofft Hofinger, dass „alle Befragten auch mitmachen. Die Studie ist Teil der nationalen Kraftanstrengung, das Virus einzudämmen und zu bekämpfen.“ Ergebnisse sollen bis Mitte nächster Woche vorliegen.

Bisher gab es in Europa lediglich in Island solch eine Corona-Stichprobenstudie. Die Studie in Island konnte belegen, dass relativ viele junge Menschen – ohne Symptome zu haben – vom Coronavirus angesteckt wurden. In Island wurden 5500 Personen getestet.

SORA wurde vom Wissenschaftsministerium mit der Studie beauftragt. Ob es weitere Studien geben wird, steht nicht fest. Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kann sich aber vorstellen, die Tests in regelmäßigen Abständen durchführen zu lassen, um auch die Veränderungen zu erheben,

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Für Hofinger würden mit einem klaren Blick auf die Dunkelziffern auch Antikörper-Tests „Sinn machen“. Aber diese sind noch nicht in dem Ausmaß vorhanden.

Christoph Hofinger (SORA).
© ORF

Welche Personengruppen werden jetzt genau untersucht? In dieser Stichprobenstudie regiert das Zufallsprinzip – also das Telefonbuch. Die 2000 Personen werden zwar pro Bundesland im Verhältnis der jeweiligen Landesbevölkerung zur Gesamtbevölkerung zusammengestellt, aber ansonsten entscheidet eine Zufallsauswahl. Pro Haushalt wird eine Person getestet, egal ob sie Symptome hat oder schon einmal auf Corona getestet wurde. Im Regelfall wird jene Person im Haushalt getestet, die als nächste Geburtstag hat.

SORA arbeitet bei dieser Studie mit dem Roten Kreuz zusammen. Ausgewertet werden die Ergebnisse vom AKH in Wien.

Die Studie ist Teil der nationalen Kraftanstrengung, das Virus einzudämmen und zu bekämpfen.
Christoph Hofinger (SORA-Geschäftsführer)

Der Test ist anonym organisiert, die durchführenden Institutionen können zu keiner Zeit ein Ergebnis einem Haushalt zuordnen. Die Ergebnisse können auch nicht von den Testpersonen abgefragt werden. Allerdings, so fügt Hofinger hinzu, wird im Falle eines positiven Testergebnisses der Teilnehmer von den Gesundheitsbehörden informiert.

Ab kommenden Montag werden die Testteilnehmer zudem telefonisch nach Symptomen, also etwa Fieber, Zeitpunkt des Auftretens, Dauer und auch nach soziodemographischen Daten befragt.

Video | Tests sollen Infektionsdunkelziffer zeigen


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