Tiroler Landespolitik in der Corona-Krise: Zwischen Angriff und Verteidigung

Die Landespolitik jongliert derzeit zwischen Aufarbeitung und Ischgl, fehlender Einbindung der Hausärzte sowie Kritik an Gesundheits-LR Tilg.

Wie ist Tirol mit den Corona-Fällen umgegangen? Wurden die Gebiete zu spät gesperrt? Das soll eine Untersuchungskommission klären.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Hat der Tourismusverband Ischgl Hinweise über Corona-Erkrankungen ignoriert, wie aus dem E-Mail-Verkehr zwischen einer Niederländerin und dem TVB vom 6. März hervorgeht? Sind, wie berichtet, Hunderte Urlauber nach der Quarantäne im Paznaun und in St. Anton am nächsten Tag in andere Oberländer Skigebiete ausgewichen? All diese Fragen stehen weiterhin im Raum und Landeshauptmann Günther Platter versprach am Dienstag Aufklärung. Und notfalls Anzeigen. „Die Behörden werden die Sachverhalte genau prüfen.“ Offen äußerte er Unverständnis darüber, dass Skitouristen aus den Quarantänegebieten möglicherweise nicht sofort nach Hause abgereist sind.

Ischgl bleibt im Zentrum der politischen Debatten. ÖVP und Grüne haben bereits in der Vorwoche eine Experten- bzw. Untersuchungskommission angekündigt. Innerhalb der Opposition herrscht derzeit allerdings Uneinigkeit über Zeitpunkt und Sinnhaftigkeit. Bei der Sitzung des Obleuterats aller im Landtag vertretenen Parteien hat sich am Montag Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann (ÖVP) aus der Diskussion zurückgezogen. Die Parteien sollten sich jetzt einmal auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.

Die Behörden werden sich darum kümmern, wie das abgelaufen ist.
Günther Platter, ÖVP (Landeshauptmann)

„Eine unabhängige Untersuchungskommission ist deshalb auch eine Frage der Glaubwürdigkeit“, betont Liste-Fritz-Mandatar Markus Sint. Wenn seine Fraktion der Einsetzung zustimmen solle, müsse man überzeugt sein, „dass diese Untersuchungskommission auch unabhängig arbeiten kann und alle Unterlagen einsehen kann“. Eine politische Alibiaktion werde die Liste Fritz jedenfalls nicht unterstützen.

In Bedrängnis gerät dieser Tage einmal mehr Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP). Zuletzt übten die Hausärzte massive Kritik daran, dass sie zu wenig eingebunden seien. Und auch bei der Versorgung des notwendigen Schutzmaterials fühlen sie sich an den Rand gestellt. Dazu Tilg: „Die niedergelassenen Ärzte haben selbstverständlich die Möglichkeit, im Rahmen der mobilen Screening-Teams zu unterstützen. Dadurch soll eine koordinierte Vorgehensweise unter einer bestmöglichen Ressourcenbündelung – von der Einsammlung der Proben über die Beprobung bis hin zur Kontaktaufnahme mit den betroffenen Personen – gewährleistet werden“, betont Tilg.

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Es reicht nicht aus, in Zeiten ohne Krise ständig nach Stärkung der niedergelassenen Ärzte zur rufen.
Andrea Haselwanter-Schneider (Klubobfrau Liste Fritz)

Dass untaugliche Masken aus China bestellt worden seien und deshalb die Hausärzte nicht früher beliefert werden konnten, spricht für FPÖ-Obmann Markus Abwerzger jedoch Bände. „Hier ist echte Aufklärung gefordert, derartiger Dilettantismus darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.“ Für Liste-Fritz-Obfrau Andrea Haselwanter-Schneider reicht es nicht, in Zeiten ohne Krise ständig nach dem Ausbau und der Stärkung des niedergelassenen Bereichs zu rufen, um diese Stärkung dann gerade in der Krise zu vergessen und sich von seinen Absichten zu verabschieden. Sie fordert den Krisenstab dazu auf, die Tiroler Hausärzte besser einzubinden. (pn)


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