Corona-Neuinfektionen in Tirol rückläufig: Momentaufnahme, noch kein Trend

Zum ersten Mal ist die Zahl der Corona-Neuinfizierten rückläufig. Mehr Menschen wurden wieder gesund als neu infiziert. In zwei, drei Tagen weiß man laut Experten mehr. Klinik meldet genug Betten und Personal.

Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger (l.), LH Günther Platter und Infektiologe Günter Weiss (r.) informieren via Videopressekonferenz über die medizinische Seite der Corona-Krise. Nicht im Bild Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl, nicht dabei Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.Foto: Land Tirol
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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Es sei die Ruhe vor dem Sturm, heißt es immer wieder, bis die Zahl der Coronavirus-Patienten dramatisch ansteige. An der Innsbrucker Klinik sei man gerüstet. Derzeit gebe es drei Intensivstationen. Sie umfassen 44 Betten. „Wenn es mehr Patienten werden, machen wir eine vierte und auch eine fünfte Intensivstation auf“, erklärt der Sprecher der Tirol Kliniken, Johannes Schwamberger, gegenüber der TT. Knapp die Hälfte der Intensivbetten ist derzeit ausgelastet, mit Corona- und anderen Patienten. Das Personal sei hoch motiviert und erfahre besonders viel Wertschätzung in diesen Tagen. Selbst das Verschieben von Operationen sei von Patientenseite gut aufgenommen worden. „Wir haben kein böses Wort gehört.“ An die TT hatten sich jedoch Patienten gewandt, die das Gefühl hatten, sie seien zu früh aus dem Spital entlassen worden.

Wir haben kein böses Wort wegen verschobener Operationen gehört.
Johannes Schwamberger (Sprecher Tirol Kliniken)

Gestern Mittag rief LH Günther Platter erneut zur Videopressekonferenz. An seiner Seite medizinische Kompetenz mit dem Infektiologen Günter Weiss, der Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl und Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger. Nicht dabei: Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.

In Tirol ist die Zahl der Infizierten am Dienstagmorgen zum ersten Mal rückläufig gewesen. „Das ist erfreulich, aber eine Momentaufnahme“, meinte Platter. „Wenn die Entwicklung in den nächsten zwei bis drei Tagen so bleibe, könne man sagen, dass man vielleicht auf dem richtigen Weg ist“, betonte Weiss. Das sei noch keine Trendwende, erklärte Lass-Flörl.

Das Land hat laut LH Platter 600.000 medizinische Masken und 15.000 Schutzanzüge in Tirol verteilt. Da habe es das eine oder andere Problem gegeben, räumte er ein. Wie berichtet, beklagten Ärzte, dass sie das falsche oder zu wenig Material bekommen hätten.

Heute soll eine weitere große Tranche mit 1,3 Millionen Masken und Anzügen geliefert werden. Drei Millionen Masken und 110.000 Anzüge seien bestellt, sagte Platter. Abhängig ist Österreich hier von China. Dort werden die meisten Masken produziert, dementsprechend hoch ist die Nachfrage.

Cornelia Lass-Flörl sitzt im Beraterstab der Landesregierung.
© Thomas Boehm / TT

Der Nutzen vor allem einfacher Masken für die Bevölkerung ist umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat davon abgeraten, weil Menschen sich durch die Maske zu sehr geschützt fühlten und zu wenig auf den Abstand zum anderen achten würden. Mikrobiologin Lass-Flörl meint, die Maskenpflicht in Supermärkten sei ein Beitrag, um die Zahl der Infizierten zu senken.

Ärztekammerpräsident Wechselberger verwies darauf, dass nur wenige der 1300 Ordinationen in Tirol geschlossen seien und die Ärzte versuchen würden, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Die Epidemieärzte bekommen jetzt einen pauschalen Stundensatz von 100 Euro.
Artur Wechselberger (Präsident Ärztekammer)

Für Missstimmung hatte zuletzt gesorgt, dass Epidemieärzte beim Screening ein Honorar von 150 Euro pro Test verlangt hatten und eine Tagespauschale von 300 Euro in Rechnung stellten. Pfleger, die denselben Job wie die Ärzte machten und den Abstrich nahmen, erhielten neben ihrem Gehalt kein Extrahonorar. Nun sei das abgestellt, berichtete Wechselberger. „Für die Tätigkeit der Ärzte ist ein pauschaler Stundensatz von 100 Euro festgelegt worden.“


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