Schwoich braucht einen neuen Bürgermeister, Vize übernimmt vorerst

Nach 40 Jahren in der Kommunalpolitik ging Josef Dillersberger als Bürgermeister in Pension. Wahl des Nachfolgers ist derzeit nicht möglich.

Bürgermeister Josef Dillersberger schloss gestern die Türe zum Gemeindeamt.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Schwoich – Es blieb gestern nicht mehr viel zu tun. Ein letztes Schreiben gab der Schwoicher Noch-Bürgermeister Josef Dillersberger in seiner Funktion ab. Darin erklärte er seinen Rücktritt.

Es ist ein wohlvorbereiteter und mit seiner Fraktion vereinbarter Rückzug. Eigentlich hätte nun der Gemeinderat einen neuen Dorfchef wählen können, da Dillersberger in der dafür vorgesehenen Frist zurücktritt. Hätte er diesen Schritt früher getan, wären alle Bürger zu den Urnen gerufen worden.

Aber vorerst wird es nichts mit einem neuen Bürgermeister. Das Covid-19-Virus erlaubt keine öffentlichen Sitzungen, daher muss Vizebürgermeister Peter Payr derzeit die Geschäfte führen, bis er sich der Wahl durch die Mandatare stellen kann. So erging es übrigens Dillersberger selbst, als er vor 17 Jahren sein Amt antrat. Auch er war damals Vizebürgermeister und musste nach dem Rücktritt seines Vorgängers für mehrere Monate geschäftsführend einspringen, bis er zum Ortschef gewählt wurde.

Peter Payr packt als geschäftsführender Vizebürgermeister an.
© Otter

Es ist ein Blick zurück ohne Zorn, den der pensionierte Schulleiter auf ingesamt 40 Jahre Politik wirft. Aber es habe sich viel verändert im Laufe dieser Jahre, wie er erzählt. „Die Anforderung an den Bürgermeister ist größer geworden. Einerseits durch den Druck von oben, durch Gesetze und Verordnungen, die teilweise nicht ganz einsichtig sind.“ Auf der anderen Seite bestehe der Anspruch der Bürger auf mehr Transparenz. Es sei richtig, dass man dem Bürgermeister auf die Finger schaue. Daher freut er sich drüber, dass er in seiner ganzen Amtszeit nur eine Aufsichtsbeschwerde erhalten hat. „Und die hat sich in Schall und Rauch aufgelöst.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

An seine Arbeit, für die er viele Stunden neben seinem Brotberuf geopfert habe, erinnert er sich mit Freude. „Es war mir auch immer wichtig, auf den Zusammenhalt im Dorf zu achten.“ Nur in den vergangenen Monaten hat sich seine Gemeinde in negativen Schlagzeilen wiedergefunden. Die umstrittene Baurestmassendeponie hat eine neue Seite im dörflichen Leben aufgezeigt. „Da geht es nicht um die Sache an sich, die mittlerweile auch wieder auf einer sachlichen Ebene mit der Bürgerinitiative abgehandelt wird. Was mich sehr enttäuscht hat, war, dass der Bürgermeister für Sachen verantwortlich gemacht wurde, für die er nichts kann und nicht zuständig ist. Besonders von Leuten, die ihren Intellekt eingesetzt haben, um die Mandatare regelrecht fertigzumachen.“

In seiner Politpension will sich Josef Dillersberger nicht in die Politik einmischen, „außer ich werde vom Peter gefragt“. Reisen und Wandern sind seine Passion, nur eben derzeit nicht möglich. „Macht nichts. Ich habe noch viele ungelesene Bücher im Regal“, freut sich der 68-Jährige auf ruhigere Zeiten. Daher legt er auch sein Amt als Obmannstellvertreter beim Krankenhaus-Gemeindeverband Kufstein zurück.


Kommentieren


Schlagworte