Hoffnung bei Tiroler Polizei: Corona-Fälle rückläufig

Mit unterschiedlichen Methoden versuchen Polizei, Rotes Kreuz und Justizwache, die Schlagkraft aufrechtzuerhalten. Bisher mit Erfolg.

Die Polizisten sind durch Corona besonders gefährdet. Dennoch ist die Anzahl der Infizierten und Quarantänefälle rückläufig.
© Thomas Boehm / TT

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Polizeiinspektion Wörgl ist wieder „online“. Nach der mehrtägigen Schließung wegen eines mit Corona infizierten Beamten „ist die Inspektion ab heute wieder 24 Stunden besetzt“, erklärt Polizeisprecher Manfred Dummer: „Parteienverkehr gab es bereits gestern.“ Ermöglicht wird der Vollbetrieb in Wörgl durch die Rückkehr mehrerer Polizisten aus der häuslichen Quarantäne. Auch die Polizeiinspektion Kundl ist wieder zeitweise besetzt. Die Wörgler Wache ist fast schon symptomatisch für die Entwicklung bei der Tiroler Polizei. „Die Situation bezüglich Corona entspannt sich derzeit“, sagt Dummer, ohne konkrete Zahlen zu nennen. „Die Anzahl der infizierten Beamten ist rückläufig.“ Das gelte auch für Quarantänefälle, die dem Vernehmen nach bereits dreistellig waren.

Die positive Entwicklung ist wohl auch der Umstellung des Dienstsystems zu verdanken. Seit einigen Wochen sind die Beamten auf drei Gruppen aufgeteilt, die sich ablösen und zu unterschiedlichen Zeiten Dienst machen. Kommt es zu einer Infektion, ist immer nur eine Gruppe betroffen.

Die Anzahl der infizierten Beamten ist rückläufig. Das gilt auch für die Quarantänefälle.
Manfred Dummer (Landespolizeidirektion)

Unterm Strich sei die Personalsituation derzeit sehr entspannt, meint der Polizeisprecher: „Durch die Urlaubssperre sind trotz der Ausfälle mehr Beamte im Dienst als sonst üblich.“ Dazu kommt, dass der Polizei die Ausgangssperre die eigentliche Arbeit erleichtert. Die Beamten müssen sich kaum noch um Einbrüche, Diebstähle und Verkehrsunfälle kümmern. Selbst der Parteienverkehr ist spürbar zurückgegangen.

Auch beim Tiroler Roten Kreuz mit 5000 freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeitern sei die Lage derzeit unter Kontrolle, versichert Pressesprecherin Christine Widmann: „Derzeit sind etwa 140 Mitarbeiter in Heimquarantäne, weil sie mit infizierten Personen Kontakt hatten.“ Wie viele Rotkreuzler erkrankt sind, kann Widmann nicht sagen: „Da haben wir keine Informationen.“

Ein Gruppensystem sei beim Roten Kreuz kaum umsetzbar: „Wir schauen aber, dass die Dienstmannschaften bei der Ablöse so wenig Kontakt wie möglich haben.“ Der gemeinsame Kaffee sei auf unbestimmte Zeit verschoben. „Wir achten auch sehr auf die Hygiene.“ Die Verwaltungsmitarbeiter sitzen vielfach im Home-Office.

In der Justizanstalt sorgte in der Vorwoche ein mit Covid-19 infizierter Häftling für Aufregung. Aber offenbar hat die 14-tägige Isolationshaft weitere Ansteckungen verhindert. Zumindest wurde bisher kein weiterer Corona-Fall unter den Insassen oder den Wachebeamten bekannt. Ähnlich wie die Polizei ist auch die Justizwache im Ziegelstadl mittlerweile in Gruppen eingeteilt. Allerdings handelt es sich nur um zwei Gruppen zu je 60 bis 70 Beamten, die wiederum in je drei Nachtdienst-Teams aufgesplittet sind. So sollen größere Quarantäne-Ausfälle bei einer Infektion verhindert werden. Mitarbeiter kritisieren allerdings, dass das System zu 32-Stunden-Diensten führt. Das sei unzumutbar.


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