Finanzmittel aufgestockt: Kurzarbeit-Mittel verdreifacht

Rund 400.000 Arbeitsplätze in Österreich wurden durch das Corona-Kurzarbeitsmodell gesichert. Die Regierung hat deshalb die Finanzmittel aufgestockt.

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© Thomas Böhm

Wien, München, Innsbruck –Bis Freitag der Vorwoche wurden Corona-Kurzarbeitsanträge im Ausmaß von einer Milliarde Euro bewilligt, etwas mehr als 23.000 Anträge sind eingegangen. Zur Relation: Im ganzen vorigen Jahr waren es 25. Ein enormer Zuspruch, der die Regierung zum Handeln zwingt. Türkis-Grün verdreifacht die dafür vorgesehenen Finanzmittel. Per Verordnung wird der Finanzrahmen von einer auf drei Milliarden Euro angehoben werden, teilten Finanzminister Gernot Blümel und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) mit. „Die Corona-Kurzarbeit hat bisher rund 400.000 Arbeitsplätze in Österreich gesichert“, lobte Aschbacher die Wirksamkeit der Maßnahmen.

„Wir haben immer gesagt, dass es mehr Geld gibt, wenn es mehr braucht“, betonte Finanzminister Blümel. Erst vor gut einer Woche hatte die Regierung die erstmalige Erhöhung des Finanzrahmens für Kurzarbeit von 400 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro verkündet. Dafür gab es breites Lob von den Sozialpartnern: Arbeiterkammer, ÖGB, Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer begrüßten die Ausweitung. Auch die jüngste Verdreifachung der Finanzmittel erhält Lob von Gewerkschaftsbund-Präsident Wolfgang Katzian und Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer. Damit gebe es „keinen Grund, jemanden rauszuschmeißen“, meinte ÖGB-Chef Katzian.

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In Deutschland bescheinigt eine Studie die wirtschaftspolitische Wirksamkeit der Kurzarbeit. In einer Vergleichsrechnung von IW Consult im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) fiel der Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland mit Kurzarbeit um rund 45 Prozent geringer aus als in einem Szenario ohne. Das Instrument habe sich bereits während der Finanz- und Wirtschaftskrise bewährt und werde dies auch in der Corona-Krise tun, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Der entscheidende positive Effekt sei „das schnellere Hochfahren der Produktion nach der Krise, weil die Unternehmen ihre Belegschaft halten können“. In Ländern ohne Kurzarbeit müssten gekündigte Arbeitnehmer nach der Krise erst wieder neu eingestellt werden. „Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld“, sagte Brossardt.

Es sei wichtig, dass möglichst viele ihren Job behalten, um die Rückkehr zur Normalität zu erleichtern, meinte auch Ökonom Dénes Kucsera von der neoliberalen Agenda Austria – auch wenn sich Österreich für ein großzügiges und teures Modell der Kurzarbeit entschieden habe. Dennoch würden viele Firmen zu Kündigungen greifen, vor allem, wenn sie nicht genügend finanzielle Reserven hätten. (APA, dpa, TT)


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