Bischof Hermann Glettler im TT-Chat: „Wir halten die Kirchen offen“

Von Ängsten in Zeiten der Corona-Krise und sozialen Medien zur Glaubensvermittlung: Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat im TT-Chat die Fragen unserer Leser beantwortet.

Schutzmaske in bischöflichem Violett: Bischof Hermann Glettler mit TT-Redakteurin Monika Schramm.
© Foto Rudy De Moor

Von Monika Schramm

Innsbruck – Nähe schaffen trotz Distanz – eine Herausforderung, die die meisten Menschen zur Zeit meistern müssen. Auch Priester und Seelsorger: „Für uns in der Pastoral und Seelsorge – ähnlich wie für alle, die in sozialen Berufen tätig sind – ist die aktuelle Situation nicht leicht. Von unserem Auftrag her ist Nähe, auch physisches Nahesein notwendig, aber aufgrund der aktuellen Maßnahmen nicht möglich“, sagt Bischof Hermann Glettler. Und so nahm sich der Innsbrucker Bischof gestern fast zwei Stunden Zeit, um die Fragen der TT-Leser im Internet-Chat zu beantworten.

Bischof Hermann Glettler stand beim TT-Chat Rede und Antwort.
© Foto Rudy De Moor

Auch über die sozialen Medien – Facebook und Instagram – suchen er und die Diözese Kontakt zu den Gläubigen. „Es ist eine Chance, doch miteinander gut zu kommunizieren und auch Impulse des Glaubens zu geben. Außerdem kann jeder User auch Nähe und Distanz zu den Angeboten selbst wählen.“ Die Beiträge auf seinem persönlichen Instagram-Account postet der Bischof übrigens selbst. „Das ist eine kleine Lockerungsübung und ein virtuelles Kontaktaufnehmen mit vielen Personen, die ich sehr schätze.“

Bischof Hermann Glettler im Chat

Doch hauptsächlich geht es in der virtuellen TT-Fragestunde auch um das, was derzeit viele spüren: die Angst vor der Zukunft, die Unsicherheit. „Ich verstehe diese Ängste. Wir können sie nicht wegreden. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig auch und gerade in den vielen Momenten der Ohnmacht nicht alleine lassen“, sagt Glettler. Es seien schon viele Rettungsschirme aufgespannt, aber es werde noch zusätzliche brauchen. „Ein Netz, das auch und speziell in Krisenzeiten trägt, ist unser Glaube.“

Trinkwasser und Desinfektionsmittel hatte der Bischof griffbereit.
© Foto Rudy De Moor

Auch für die Kinder und Jugendlichen, die im gesamten Krisendiskurs leicht übersehen würden. „Dass wir alle angesichts der aktuellen Pandemie die Zerbrechlichkeit des Lebens wieder wahrnehmen und annehmen müssen, geht auch an jungen Leuten nicht spurlos vorbei. Der christliche Glaube könnte für viele eine verlässliche Orientierung sein.“ Er selbst lerne derzeit auch sehr viel, „weil ich über den sozialen Schulterschluss staune, den es in unserer Gesellschaft gibt. Ich lerne auch, dass ein Weniger an Veranstaltungen heilsam sein kann.“ Vielen Gläubigen fehle der sonntägliche Gottesdienst in ihrer Pfarre. Besonders zu Ostern. „Am Ostersonntag wird der Gottesdienst aus dem Bischofshaus übertragen – auf ORF Radio Tirol (Ö2) und im Livestream. Herzliche Einladung zur Mitfeier. Ich freue mich darauf“, sagt Glettler. Wie es nach dem 13. April – so lange gelten bis dato noch die Ausgangsbestimmungen – für die Gläubigen aussieht, ist noch unklar. Entschieden hat die Diözese aber, dass es vorläufig bis Pfingsten (31. Mai) keine Erstkommunion-Feiern, Firmungen, Taufen oder Trauungen geben wird. Vor verschlossenen Kirchentüren stehen Gläubige deshalb aber nicht. „Wir halten die Kirchen offen. Dass diese Orte der Hoffnung nicht versperrt sind, sondern zum Gebet, zum Durchatmen und Sorgen-Deponieren einladen, gehört zur seelischen Grundversorgung unserer Bevölkerung.“

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Die Antworten schrieb der Bischof gleich selber.
© Foto Rudy De Moor

Angesprochen auf die umstrittenen Aktivitäten des Strengener Pfarrers – die TT berichtete – erklärte der Bischof: „Ich habe am Mittwoch mit ihm telefoniert und ihn gebeten, Besuche zu unterlassen. Ich bin fest der Überzeugung, dass er sich jetzt daran halten wird.“ Die Vorgaben für eine angemessene Seelsorge in Zeiten des Coronavirus wurden von der Diözese bereits am 16. März an alle Pfarren ausgeschickt. Ob denn die Kirche auch in diesen für viele finanziell angespannten Zeiten weiter die Kirchenbeiträge einfordert, wollte ein Leser wissen. „Vorläufig werden keine Beitragsaufforderungen ausgesendet. Bei persönlichen Zahlungsschwierigkeiten können bestimmt individuelle Lösungen gefunden werden.“ Den heutigen Freitag hat Bischof Hermann Glettler zum „Tag der Versöhnung“ deklariert. Um 19 Uhr feiert er einen Gottesdienst, der auf der Facebook-Seite der Diözese übertragen wird. „Das enge Zusammenleben fordert uns aktuell alle heraus. Sich selbst und einander auszuhalten, ist nicht leicht."


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