Einsame und spätere Ostern gibt es dieses Jahr

Nicht nur die katholische, auch die griechisch-orthodoxe Kirche stellt sich auf ein anderes Fest ein – und verschiebt dieses gleich nach hinten.

Papst Franziskus feiert täglich eine Messe, die gestreamt und im Fernsehen übertragen wird. Viele Menschen sind auch besorgt um seine Gesundheit.
© VATICAN MEDIA

Vatikan – Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen – das gilt Corona-bedingt auch für das bevorstehende Osterfest.

Beginnend mit dem heutigen Palmsonntag finden im Vatikan alle Gottesdienste der Karwoche ohne die Anwesenheit von Gläubigen statt. Die tägliche Frühmesse von Papst Franziskus aus der Residenz Santa Marta wird schon seit einiger Zeit im Fernsehen übertragen.

Es muss eine Qual sein für Franziskus. Er, der so gerne ein Bad in der Menge nimmt. Der gerne Nähe zum Volk zeigt. Auch er muss jetzt Abstand halten. Die spektakuläre Karfreitagsprozession am Kolosseum in Rom entfällt. Das Bild des Papstes, wie er letzte Woche ganz alleine am Petersdom den Sondersegen urbi et orbi sprach und der Regen über Rom fiel, wird auch Nicht-Gläubigen als Symbol dieser Zeit im Gedächtnis bleiben. Doch so ganz hält sich Franziskus nicht an die sozialen Abstandsregeln, die in Italien gelten. Er empfängt immer noch Gäste und schüttelt dabei angeblich auch noch Hände.

„Weder Papst Franziskus noch seine engsten Mitarbeiter tragen eine Gesichtsmaske“, sagte Mario Galgano von der deutschen Redaktion der vatikanischen Medienplattform Vaticannews. Die päpstliche Schutztruppe der Schweizergarde achte aber auf die nötigen Sicherheitsabstände.

Die Sorge ist groß, dass das Virus auch im Vatikan um sich greift. Der größte Teil der Bewohner ist männlich und älter – also die Risikogruppe, für die das Virus gefährlich werden kann. Und Italien hat mit über 12.000 Toten so viele wie kein anderes Land der Welt.

Zwar ist der 83 Jahre alte Papst fit. Aber weil ihm in jungen Jahren ein Teil eines Lungenflügels entfernt wurde, gibt es die berechtigte Sorge, dass ihn die Lungenkrankheit Covid-19 besonders hart treffen könnte. Zumal sich Fälle in seinem Umfeld häufen – sieben waren es mit Stand Donnerstag im Vatikanstaat.

Der Vatikan brauchte mehr als einen Monat nach dem Bekanntwerden des Ausbruchs in Italien Ende Februar, bis er verklausuliert zu verstehen gab: Der Papst ist negativ auf das Virus getestet worden. Dazwischen lagen quälende Spekulationen über den Gesundheitszustand des Argentiniers. Zumal er Anfang März an einer Erkältung litt und sogar die Fastenexerzitien absagen musste. Eine schlechtere Zeit zum Husten konnte sich Franziskus vermutlich nicht aussuchen. Zur Debatte steht nun offenbar, dass Franziskus zu seinem Schutz in den Apostolischen Palast umzieht, wo es weitläufigere Räume gibt.

Und dann ist da noch der emeritierte Papst Benedikt. Der feiert am 16. April seinen 93. Geburtstag. „Es wird ein stiller Tag werden, ohne irgendwelche Feierlichkeiten“, sagte sein Privatsekretär Georg Gänswein der Deutschen Presse-Agentur. Benedikt gehe es aber in seinem Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan gottlob gut. „Wir leben wie in einer strengen Klausur. Besuche gibt es keine, und wir machen auch keine.“

Unterdessen hat sich Griechenlands orthodoxe Kirche dafür entschieden, Ostern heuer erst am 26. Mai zu feiern. Die ständige Synode der Kirche erklärte, sie bete, dass die Gefahr bald vorbei sei und Klerus und Gläubige gemeinsam feiern können. Der 26. Mai ist genau ein Tag vor dem orthodoxen Fest Christi Himmelfahrt, bis zu dem in Gottesdiensten der Hymnus „Christus ist auferstanden“ gesungen wird. Nach dem orthodoxen Kalender wäre Ostern heuer am 19. April gefeiert worden, eine Woche später als von Katholiken und Protestanten. (TT, APA, dpa)


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