Empfehlungen für die Corona-Zeit: Klassische Musik hat stärkste Heilkraft

Musik zur Entspannung, Musik, die Konzentration fördert, Musik für Kinder: Empfehlungen aus dem Klassik-Bereich für die Corona-Zeit zuhause.

Immer wieder Bach: Philippe Herreweghe hätte Anfang April Bachs Matthäus-Passion beim Osterfestival Tirol dirigieren sollen. Das Festival wurde abgesagt.
© imago stock&people

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Theater, Konzertsäle, Kinos, alles zu. Wer kann, bleibt zu Hause, muss zwischen Zwangspause und Home-Office auf einige Gewohnheiten verzichten, nicht aber auf Kultur. Da gibt es online jede Menge Angebote, unüberschaubar viel Musik und gekoppelt mit dem ureigenen Best- of findet sich das Richtige für viele Situationen.

Musik kann die Gemütslage positiv oder negativ steuern, und sie bietet durch ihren Einfluss auf das vegetative Nervensystem bekanntlich auch ihre Heilkraft an. Musik, war auf einem deutschen Ärztekongress konkret zu erfahren, senke die Herzfrequenz und den Blutdruck, beruhige die Atmung und reduziere Stresshormone. Klassische Musik, betonen Experten, habe die stärkste Heilkraft, aber nicht jeder Komponist, jede Gattung erreiche dieselben Effekte. Und selbstverständlich ist nicht jeder Mensch für klassische Musik empfänglich. Dennoch sind Wirkungen nachweisbar.

Auf Herz-Kreislauf wirken vor allem die Klänge von Bach, Mozart, Händel oder Corelli. Wer Johann Sebastian Bachs Violinkonzerte bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit der fabelhaften Isabelle Faust und der Akademie für Alte Musik Berlin erlebte oder auch hören will, greift zur Doppel-CD, aufgefüllt mit weiteren Werken. Prägend mit dabei ist die Oboistin Xenia Löffler, die mit der Akademie Symphonien und Oboenkonzerte von Carl Philipp Emanuel Bach für eine bezaubernde, klanglich verführende neue CD eingespielt hat.

Zurück zu Vater Bachs Wirkung. Warum wohl das Publikum nicht genug bekommen kann von seinem Weihnachtsoratorium und den Passionen? Man verlässt sie in besonderer Verfassung. Philippe Herreweghe sollte Anfang April mit der Matthäus-Passion das Osterfestival Tirol bereichern (abgesagt). Seine letzten Einspielungen des Werkes und der Johannes-Passion liegen seit dem Vorjahr in einer 5-CD-Box vor (alle bei Harmonia Mundi).

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Die Corona-Krise stürzt viele Menschen in existenzielle Notlagen. Musik wird sie nicht lösen, soll aber eventuell bei Depressionen helfen und auch die Konzentration fördern – falls man sich überhaupt darauf einlassen kann. Die schnelleren Sätze von Bach, etwa aus den Französischen und Englischen Suiten, seien dafür geeignet, auch die Fugen des Wohltemperierten Klaviers, die lebhafteren Sätze von Mozarts Klavierkonzerten, Konzerte von Antonio Vivaldi oder Sonaten von Domenico Scarlatti.

Musik zur Entspannung gibt es reichlich, wieder ist Bach an der Front, mit seinen Goldberg-Variationen. Einer Anekdote nach verlangte ein Diplomat von dem Komponisten „Clavierstücke, die so sanften und etwas muntern Charakters wären, daß er dadurch in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufgeheitert werden könnte“. Mozarts langsame Klavierkonzertsätze lassen die Zeit stillstehen, ebenso das Adagio von Schuberts Streichquintett, Chopins Zärtlichkeiten oder die betenden und liebenden Frauen in der Oper (Verdis Desdemona und Leonoren, Wagners Elisabeth, Mozarts Susanna).

Werke wie Beethovens Mondscheinsonate, Claude Debussys „La Mer“ oder Maurice Ravels Klaviertrio sollen helfen, das Immun- und Nervensystem zu stärken.

Das für Kinder gedachte „Klassik Wunderland“ (Sony), nicht mehr ganz neu, birgt als Sampler einige Perlen, die Erwachsene runterbringen, inklusive eines Interpretationswunders der so abgedroschenen Beethoven’schen „Elise“ durch Igor Levit. Wen diese Zeiten hingegen wütend machen, der findet in fetzig aufgeheizten Tempi, Filmmusik-Spannung und den Koloraturspieße schleudernden Drama-Königinnen des Opernbarocks Verbündete. (u.st.)

Klassik Isabelle Faust, Akademie für Alte Musik Berlin: Bach, Violin Concertos. Harmonia Mundi 2019. Philippe Herreweghe, Collegium Vocale Gent: Johannes-Passion/Matthäus-Passion. Harmonia Mundi 2019. Lang Lang, I. Levit u.v.m.: Klassik Wunderland. Sony 2015


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