Der Tiroler Tausendsassa unter den Pausenlos-Dichtern

Mit Alexander Legniti ist das Leben ein einziges Gedicht. Oder genauer gesagt viele Tausende – für alle Anlässe, in mehreren Sprachen, Tag und Nacht.

Buchvorstellung in speziellen Zeiten: Friedhofsleiter und Hobbydichter Alexander Legniti präsentiert sein Buch auf seinem Balkon.
© Legniti

Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Eigentlich wollte Alexander Legniti sein Buch in einer kleinen Runde vorstellen, aber auch die wäre in Corona-Zeiten noch viel zu groß gewesen. Statt des Mühlauer Fuchslochs war es dann also der eigene Balkon in Innsbruck, auf dem er „Das Mühlauer Geistchen“ präsentierte – dort, wo er abendlich pünktlich um 18 Uhr für die Nachbarn auch ein Ständchen oder zwei auf der Gitarre zum Besten gibt. Der Leiter der städtischen Friedhöfe ist nicht nur Biologe und als solcher mit der Naturoase in Mühlau verbunden, früherer Umweltberater und Standesbeamter, sondern als Hobbydichter auch sprachliches Feuerwerk, das nie ruht. Auch nicht nachts.

Papier und Stift müssen bereitliegen, damit am nächsten Morgen nicht alles wieder vergessen ist, auch wenn sich der Innsbrucker auf seine eigenen Verse selbst nicht immer einen Reim machen kann. „Gestern bin ich in der Früh aus einem Traum aufgewacht, bei dem ich in einer Runde ein Nonsens-Gedicht vorgetragen habe: „Butter fly? Butter can’t fly, except a butterfly.“ Da Legniti in internationalen Dichter-Zirkeln aktiv ist, schreibt er öfters Gedichte auf Englisch.

„Ein Dichter ist vielleicht nicht ganz dicht“, meint der Vater von drei erwachsenen Kindern. „Das ist wie mit einer tropfenden Leitung, ich muss die ganze Zeit dichten und lasse mich dabei von allem und jedem inspirieren.“

Bezieht sich das darauf, dass die Zeilen nur so aus ihm heraussprudeln, dann mag das wohl stimmen. Im Laufe seines Lebens hat Alexander Legniti rund 17.800 Gedichte geschrieben, bei Erscheinen dieses Artikels werden es wohl schon viele mehr sein, denn jeden Tag kommen neue dazu.

Die ersten Verse entstanden in der Schulzeit, darunter ein Liebesgedicht in mathematischen Formeln: „Ein Strich kam einst ins Schwanken, denn auf der Höhe seiner Strichgedanken, da schmolz sein Herz wie Eis! Er war verliebt in einen Kreis! Er folgte gleich der Spur und leistete den Schwur, den Kreis nie mehr zu verlassen. Da habe ich ihn kreisen lassen.“

Die Texte sind experimentell, klassisch, philosophisch, gesellschaftskritisch und „natürlich geht es oft um die Liebe und manchmal auch um den Tod“, sagt der Leiter der Innsbrucker Friedhöfe. Auf manchen von ihnen finden regelmäßig Lesungen statt. Friedhöfe sind für ihn nicht nur Orte der Trauer, Ruhe und Besinnung, sondern auch Kulturstätten und Freiluftmuseum mit freiem Eintritt.

Nichts kann das wortgewandte Multitalent aufhalten, „hoffentlich auch nicht die Corona-Krise“, zu der dieses Gedicht passen könnte: „Dein Leben ist ein Faden: hauchdünn, ganz zart, fragil! Doch manchmal hält er besser, als man es glauben will. Dann ist es Zwirn, fast unzerreißbar fest, der alle Lasten und Belastung vorübergehen lässt. Doch letztlich ist es Garn, das, wie du weißt, nur locker, zart gesponnen, schlussendlich einfach reißt.“

Fast alle seine Texte reimen sich, und das trifft auch auf jene im Buch „Das Mühlauer Geistchen zu“, eine Sagengestalt aus dem Mühlauer Fuchsloch, wo gefährdete Tiere leben und Pflanzen wachsen und für dessen Erhaltung sich der Verein Natopia, der Naturschutzbund und die Naturschutzjugend seit vielen Jahren einsetzen. Für Legniti ist es „ein ganz besonderes Örtchen“, in dem sich viele Natur-Schätze verbergen. Das Buch mit Zeichnungen von Nikolaus Moschen ist bei Natopia (www.natopi­a.at) erhältlich, der Erlös fließt in die weitere Betreuung des Lebensraumes „Mühlauer Fuchsloch“.

Nächste Projekte sind bereits in Planung, sagt der Mann, dem einmal nach einem Wettbewerb empfohlen wurde: „Du musst unbedingt weiterdichten.“ Sie konnten es ja nicht besser wissen.


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