Corona bremst den Lkw-Transit in Tirol

74 Prozent weniger Individual-verkehr, 50 Prozent weniger Lkw auf den Straßen. Und der Gütertransit durch Tirol geht ebenfalls deutlich zurück.

Einfach unglaublich, als ob es Straßenblockaden in Tirol gäbe: Die Straßen sind leer, der Schwerverkehr ist massiv zurückgegangen.
© Vanessa Rachlé/TT

Innsbruck – Es ist wie in einer anderen Zeit: Vor eineinhalb Monaten steckte Tirol wieder einmal mittendrin in einer Transitdebatte. Denn im Februar hatte die rumänische EU-Verkehrskommissarin Adina Valean die Tiroler Politik scharf kritisiert. Der Brenner dürfe kein Engpass im europäischen Warenverkehr werden, über höhere Lkw-Mauttarife (Korridormaut) auf der Brennerachse wollte die Verkehrskommissarin gar nicht reden. Zuerst müsse Tirol von seinen Lkw-Fahrverboten abrücken, forderte sie. Und dann kam es zum Eklat. Wenn Tirol das nicht wolle, könne es ja mit Österreich den Binnenmarkt verlassen, brüskierte Valean die Vertreter der Landespolitik und des Bundes wie Landeshauptmann Günther Platter und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler.

Und heute, Anfang April? Die Corona-Beschränkungen haben wenig überraschend zu einem deutlichen Rückgang des Transitverkehrs auf der Brennerachse geführt. Vor knapp vier Wochen wurden die Kontrollen am Brenner eingeführt, die Frächterverbände in Italien protestierten heftig dagegen. Um 27.119 schwere Transitlaster weniger fuhren im März über den Brenner als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Minus beträgt 12,4 Prozent.

Im ersten Quartal wurden demnach um 29.817 weniger Lkw-Fahrten an der Mautstelle Schönberg gezählt. Insgesamt 588.835 Lkw waren im Güterverkehr auf der Brennerachse unterwegs. Der Trend dürfte zumindest in den nächsten Wochen anhalten, denn von einem großen Hochfahren der Wirtschaft ist im April noch nicht auszugehen.

Bei den kleineren Lkw mit zwei oder drei Achsen fällt der Rückgang noch deutlicher aus, mit 60 bzw. 55,5 Prozent gegenüber dem Schwerverkehr. Viele von ihnen sind im regionalen grenzüberschreitenden Transportwesen tätig.

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Die strikten Ausgangsbeschränkungen und Grenzkontrollen haben auch den Pkw-Verkehr drastisch reduziert: von 867.488 Pkw im März 2019 auf 280.055 im heurigen Jahr. Hier wird es in den nächsten Monaten noch einmal runtergehen, denn der Sommerreiseverkehr rollt wahrscheinlich gegen null. Jedenfalls verringerte sich der Gesamtverkehr am wichtigsten Verkehrsübergang in den Alpen um 450.813 Fahrzeuge oder 15,34 Prozent.

Ähnlich sieht es naturgemäß auf dem Südtiroler Abschnitt der Brennerautobahn aus. Der so genannte Leichtverkehr ist so gut wie nicht mehr vorhanden und der Güterverkehr um durchschnittlich 30 Prozent eingebrochen.

Das Wochenendfahrverbot für Lkw über den Brenner und auf der Inntalautobahn wurde übrigens bis 19. April ausgesetzt. Das sektorale Fahrverbot ist von dieser Ausnahmebestimmung ebenso wenig betroffen wie das Nachtfahrverbot.

Die österreichweit 52 Rastplätze und 87 Raststationen entlang der Autobahnen bleiben trotz Corona-Krise weiterhin offen unter Einhaltung verschärfter hygienischer Standards. (pn)


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