Tiroler Kulturinitiativen: Stillstand, der die Existenz bedroht

580.000 Euro Schaden sind TKI-Mitgliedern durch Absage und Verschiebung von Veranstaltungen bislang entstanden. Konkrete Hilfe fehlt bisher. Soll aber bald kommen.

Symbolfoto.
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Innsbruck – Das behördlich verordnete Veranstaltungsverbot zur Eindämmung der Corona-Verbreitung gilt noch bis 13. April. Von einer weiteren Verlängerung muss ausgegangen werden. Gerade für zumeist als gemeinnützige Vereine organisierte Kulturorganisationen, die so genannte freie Szene, ist der finanzielle Schaden nach gut einem Monat Stillstand existenzbedrohend: Ausfälle von rund 580.000 Euro hat es seit Beginn der Beschränkungen allein in Tirols freier Szene gegeben. Das ergab eine Umfrage der Tiroler Kulturinitiativen (TKI) unter ihren Mitgliedern. 253 Veranstaltungen wurden bislang abgesagt.

Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein. Nur 21 von 124 Mitgliedsorganisationen nahmen an der Befragung teil. Gerade bei kleineren Initiativen im ländlichen Raum ließen sich die Folgen der Corona-Krise derzeit kaum erheben, sagt TKI-Geschäftsführerin Helene Schnitzer.

Noch kaum Konkretes von der Tiroler Landesregierung

Trotzdem: Die Umfrage ist eine erste Bestandsaufnahme und ermöglicht Prognosen. „Sollten die Corona-Maßnahmen bis Juli aufrecht bleiben, drohen Tirols freier Szene Schäden in Millionenhöhe“, sagt Schnitzer – und hofft auf baldige Hilfe durch die öffentliche Hand.

Bislang ist der Ankündigung von Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), niemanden im Stich zu lassen, kaum Konkretes gefolgt. In Wien und Salzburg wurden kurzfristige Arbeitsstipendien geschaffen. In Vorarlberg gibt es Atelierförderungen für bildende Künstler. „Das sind Maßnahmen, die es Kulturschaffenden ermöglichen, bezahlt im Arbeitsprozess zu bleiben“, so Schnitzer.

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Vergleichbares sei auch in Tirol angedacht und werde geprüft, erklärt Landesrätin Palfrader. Sie stehe in regelmäßigem Austausch mit anderen Bundesländern: „Das, was sich dort bewährt, kann auch für Tirol adaptiert werden. Gerade in der aktuellen Situation muss das Rad nicht überall neu erfunden werden.“

Auch Bund gefordert

Ein – virtuelles – Treffen der Landesrätin mit Vertretern der TKI soll es in den nächsten Tagen geben. Dann dürften auch erste Maßnahmen spruchreif sein. So soll es, laut Palfrader, etwa eine verbindliche Zusage des Landes geben, dass bereits bewilligte Fördergelder auch ausgezahlt werden, wenn eine Veranstaltung nicht im geplanten Rahmen stattfinden kann. Auch belegbare Kosten für nun abgesagte Projekte sollen anerkannt werden.

Gefordert sei aber nicht nur das Land, stellt Helene Schnitzer klar: „Der Ankündigung, den Härtefonds des Bundes auch für gemeinnützige Kulturvereine zu öffnen, müssen nun auch Taten folgen. Nach drei Wochen Unsicherheit brauchen viele Initiativen endlich finanzielle Unterstützung, um nicht in die Insolvenz zu schlittern. (jole)


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