Kollaps auch an Tirols Spitälern vorerst abgewendet

Sowohl Kranken- und Intensivbetten als auch Beatmungsgeräte sind in Tirol momentan ausreichend vorhanden. Für Schwerkranke ist die Corona-Behandlung enorm belastend.

54 Corona-Patienten werden derzeit in Tirol auf einer Intensivstation behandelt.
© Thomas Böhm

Von Benedikt Mair und Peter Nindler

Innsbruck – 210 Corona-Infizierte müssen derzeit stationär in einem der Tiroler Spitäler behandelt werden, 54 davon liegen auf den Intensivstationen. Genauso viele Patienten benötigen eine zusätzliche Beatmung. Die Kapazität für weitere Erkrankte in den heimischen Krankenhäusern ist gegeben – noch. Laut Auskunft der Behörden sind sowohl Betten als auch Lungenmaschinen ausreichend verfügbar.

Von insgesamt 4396 Krankenbetten (inklusive Intensivbetten) waren, Stand Donnerstag, 1802 belegt, was rund 41 Prozent entspricht. Das geht aus Zahlen der Abteilung Gesundheit der Tiroler Landesregierung hervor. Allein für Corona-Erkrankte gibt es demnach zirka 740 freie Plätze in einem der Spitäler. 53 Prozent der Intensivbetten, die im Land derzeit zur Verfügung stehen, sind indes belegt: 116 der insgesamt 227 intensivmedizinischen Plätze werden momentan gebraucht. Invasive Beatmungsgeräte gibt es derzeit 394, wovon 88 gebraucht werden, davon 54 für Covid-19-Patienten. 306 Maschinen könnten also noch eingesetzt werden, wobei aber nicht alle davon auch für eine Langzeitbeatmung geeignet sind.

Genau das brauchen aber Menschen, die mit dem Virus angesteckt sind und deren Krankheitsverlauf so schwer ist, dass ihre Lunge nicht mehr richtig funktioniert. Im Schnitt 14 Tage müssen solche Patienten künstlich beatmet werden, teilt die Universitätsklinik Innsbruck mit. Auf der dortigen Internistischen Intensivstation werden seit Beginn der Krise ausschließlich Covid-19-Patienten betreut, 13 waren es gestern. Die lange Zeit, die diese Infizierten an die Lungenmaschinen angeschlossen werden, bedeute „eine sehr starke Belastung für den Organismus“, sagt der Leiter der Intensivstation, Michael Joannidis.

Besonders gefährlich ist das Coronavirus bekanntermaßen für Menschen, die über 60 Jahre alt sind. In Tirol müsse „zwar nur ein Bruchteil der Bevölkerung aufgrund einer Infektion mit SARS-CoV-2 intensivmedizinisch versorgt werden“, berichtet Joannidis. „Das Herausfordernde für die betroffenen Patienten wie auch für das Personal und die Kapazität der Intensivmedizin ist aber die lange Liegedauer. Bisher gab es nur zwei Intensivpatienten, die nur wenige Tage auf der Station betreut werden mussten.“ Ein Gros der in Innsbruck Behandelten ist zwischen 60 und 70 Jahre alt und männlich, der bislang jüngste, inzwischen entlassene Patient war 43 Jahre alt. Vorbelastungen wie beispielsweise Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck sind auch hier Risikofaktoren.

Wer beatmet werden muss, wird laut Joannidis zuerst in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt und in eine atmungsgünstige Bauchlage gedreht. „Weil die maschinelle Beatmung bei schweren Covid-19-Fällen erfahrungsgemäß lange andauert, ist eine besonders schonende Vorgangsweise umso wichtiger“, sagt er. Bei vielen der Patienten müssten auch der Kreislauf mit Geräten unterstützt, Herz-Lungenmaschinen eingesetzt oder eine Dialyse durchgeführt werden, was die Behandlung insgesamt viel komplexer mache. Joannidis berichtet, dass Corona-Infizierte nicht nur mit Beatmungsgeräten, sondern auch medikamentös behandelt werden. „Bei uns im Einsatz ist etwa Favipiravir, ein zur Behandlung neuer Influenzastämme verwendetes Medikament, das auch bei einigen Covid-19-Patienten eine positive Wirkung zeigt.“

Optimistisch ist Landeshauptmann Günther Platter, „weil es einen deutlichen Rückgang des Virus in Tirol gibt“. Seine größte Sorge gilt allerdings nach wie vor den Kapazitäten in den Spitälern. Obwohl Platter davor warnt, voreilige Schlüsse zu ziehen, entwickle sich derzeit alles in die richtige Richtung. Der Kollaps in den Spitälern konnte abgewendet werden. Vor allem im Krankenhaus Zams, das im Corona-Hotspot Landeck mit den tirolweit meisten Infizierten – aktuell 370 – liegt.

Was stimmt den Landeshauptmann noch zuversichtlich? Die Zahl der Genesenen nehme zu und im Durchschnitt würden derzeit weniger positiv getestet werden. Im 24-Stunden-Vergleich gab es etwa Freitagabend mit aktuell 2000 Infizierten in Tirol um 40 weniger als am Vortag. Leider waren zwei weitere Todesopfer zu beklagen. Und schlussendlich bleibt für Platter die Lage in den Krankenhäusern stabil. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bewertet es ebenfalls als positiv, dass die Zahl der an Covid-19-Erkrankten in Spitälern aktuell nur leicht wächst.


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