WK-Präsident: „Rot-weiß-rotes Comeback könnte früher kommen“

Österreich könnte die Corona-Krise gesundheitlich und auch wirtschaftlich besser überstehen als andere, glaubt Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer.

Einkaufen mit Maske wird in Österreich überall kommen.
© Vanessa Rachle

Wien, Innsbruck –Über die Außenhandelsstellen in Asien habe man frühzeitig erahnen können, was mit Corona auch auf Europa und Österreich zurollt. „Die Wucht haben wir aber alle unterschätzt“, sagte Mahrer am Sonntag in einem Online-Pressegespräch.

Österreich habe früher und energischer Maßnahmen ergriffen als viele andere Länder. Es gebe bereits „etwas Licht am Horizont“, so Mahrer, der davon ausgeht, dass Österreich die Coronavirus-Krise besser überstehen wird als andere Länder, sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich. Daher könne es das „rot-weiß-rote Comeback“ der Wirtschaft hoffentlich auch früher geben.

📽| Video: WKÖ-Chef für überlegtes schrittweises Wiederhochfahren

Mahrer plädiert für ein wohlüberlegtes, schrittweises Wiederhochfahren der heimischen Wirtschaft, wobei die Schritte dann „in der Folge größer und schneller werden könnten“. Den Rahmen vorgeben würden die Reproduktionsrate des Virus und die gesundheitspolitischen Maßnahmen. Wenn es gelinge, die Wirtschaft „im zweiten Quartal Gang für Gang hochzuschalten, können wir uns im dritten Quartal vielleicht in eine großflächige Normalisierung bewegen“, so der WK-Präsident.

Noch im April sollten etwa kleine Elektronik-, Sportartikel- oder Spielzeughändler wieder aufsperren können – immer unter Maßgabe von Mindestabstand und Hygiene­maßnahmen. Damit die Unternehmen rechtzeitig Vorbereitungen treffen können (etwa für Waren, Mitarbeiter, Desinfektionsmittel oder Masken), sollte die Regierung möglichst früh sagen, wann diese „Phase 1“ kommt.

Nach weiteren Bereichen im Handel könnten später Geschäfte mit „mehr Fläche“ und „mehr Leuten“ folgen, so Mahrer. Wo aber viele Leute tätig seien und es zu sehr engen Kontakten komme, werde man länger zuwarten müssen. Damit meinte Mahrer etwa persönliche Dienstleistungen wie Friseure, Massagen, Pediküre oder Maniküre. „Die kommen sicher nicht in der ersten Phase.“

„Ungelegte Eier“

Ob in der Gastronomie Gastgärten vielleicht früher aufsperren könnten als geschlossene Lokale? Das seien „ungelegte Eier“, denn in der Gastronomie gehe es nicht nur um den Umgang mit den Gästen, sondern auch um die Tätigkeiten in der Küche, so Mahrer. Urlaub machen könne man heuer – und auch da gebe es kein Monatsdatum – wohl maximal in Österreich.

„Sehr zufrieden“ zeigt er sich mit den Milliarden-Hilfspaketen der Regierung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Man habe über 200 Maßnahmen anderer Länder evaluiert. Bei der Kurzarbeit weise Österreich das beste Modell auf, beim Ersatz von Betriebskosten bei Erlösentgang gemeinsam mit Dänemark das beste. Der Kammer-Chef begründet, wieso es Hilfen nur für Kosten gibt. „Der Staat kann ja nicht jedem den Umsatz ersetzen.“ Ein-Personen-Unternehmer sollten sich an ihren Steuerberater wenden, für sie sei für eine schnelle Hilfe wohl der Härtefonds am besten, bei null Umsatz gebe es 75 Prozent Kostenersatz plus fiktiven Unternehmerlohn. Man könne auch in ein anderes Programm optieren mit Kredit und fiktivem Lohn. Das heimische System mit Liquiditätssicherung als erstem und Kostenersatz im zweiten Schritt sei gemeinsam mit Dänemark einmalig.

Auch er höre, dass die Banken mit Krediten teils noch zögerlich seien. Es werde aber im Schnitt eine Woche dauern, bis das staatliche Programm in den Instituten „übersetzt“ sei. An sich müssten die Banken aber „deutlich höheren“ Appetit haben, wenn der Staat nun (nach grünem Licht der EU-Kommission) bei Kleinkrediten bis 800.000 Euro sogar 100 Prozent garantieren könne. Ablehnend äußerte sich Mahrer zu einem Einstieg von Staat oder Ländern bei in Probleme geratenen Unternehmen. Er sei ein großer Fan von Hilfe zur Selbsthilfe, aber kritisch zu Verstaatlichungen.

Einer App zum Orten von Personen kann Mahrer auf freiwilliger Basis und unter Einhaltung des Datenschutzes viel abgewinnen – einer verpflichtenden Einführung nicht. Das sei aber auch kaum möglich, weil nicht jeder ein geeignetes Gerät hat. (va)


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