Osterwoche: Das Leben und den Glauben feiern

Gottesdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind auch für Priester ungewöhnlich. "Wir stehen in der Karwoche und erwarten unser Gedenken an große Ereignisse“, sagt der Lienzer Dekan Franz Troyer.

Auch in der Pfarre St. Andrä in Lienz finden die Gottesdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Die Zeiten sind ungewöhnlich. Auch für Priester. „Wir stehen in der Karwoche und erwarten unser Gedenken an große Ereignisse“, sagt der Lienzer Dekan Franz Troyer. Vom Feiern in Gemeinschaft am Gründonnerstag über das „Todeskommando“ des Karfreitags, die Trauerphase am Karsamstag, die schließlich in die Auferstehungsfeier in der Osternacht mündet.

„Heuer ist alles anders. Es ist manches möglich, das wir bisher nicht kannten. Anderes wird mir in dieser Karwoche ganz persönlich sehr fehlen“, gesteht Troyer, dass auch er die Gottesdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Wehmut feiert. „Man muss sich freuen und feiern, das gehört zum Glauben ebenso dazu wie zum Leben. Das Hochamt zu Ostern mit den Gläubigen, dazu das Osterfeuer – das wird mir heuer sicher abgehen.“ Die Dynamik der Osterwoche sieht der Leiter der Bibelpastoral der Diözese Innsbruck als mögliches Sinnbild für die weltweite Krise: „Wir dürfen die berechtigte Hoffnung haben, dass es gut ausgeht. Jesus sagt, er ist bei uns alle Tage.“

Die Karwoche ist aktueller denn je. Auf Leid und Intrigen folgt die Auferstehung.
Franz Troyer
 (Lienzer Dekan)

Für die Wochen der Coronakrise formuliert Troyer „spirituelle Nahrung und Impulse“. „Wer nicht genießt, wird bald ungenießbar. Also tue etwas, das dir Freude macht“, rät der Geistliche. Es sei gut, die Tagesstruktur beizubehalten. Auch engagierte Christen hätten die Kultur der Hauskirche verlernt, bedauert der Dekan. „Ich wünsche mir, dass wir wieder den Mut haben, daheim miteinander zu beten, miteinander in der Bibel zu lesen und über Glaubensfragen ganz natürlich zu sprechen.“

Wo man auf engstem Raum beisammen sei, brauche es Fingerspitzengefühl im Umgang. „Sorgen soll man teilen, damit sie nicht zu schwer sind.“ Außerdem rät Troyer dazu, Wellen von Gerüchten, Fake News und Halbwahrheiten zu prüfen und nur das Gute zu behalten. „Frage genau nach, was jemand wirklich gesagt und getan hat, und prüfe genau, bevor du etwas weitererzählst. Damit hilfst du mit, dass die Viren der Vorurteile eingedämmt werden und sich die Wahrheit ihren Weg bahnt.“

TT-ePaper gratis testen und eine von fünf Snow Cards Tirol gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Kommentieren


Schlagworte