Gitarrespielen statt Heli-Flüge: Morgenstern entdeckt neue Saiten

Weil sein Heli am Boden bleibt, verbringt Ex-Skisprungstar Thomas Morgenstern die Zeit zuhause mit Gitarrespielen.

Olympiasieger, Helikopter-Pilot und derzeit Hobby-Musiker: Der Kärntner Thomas Morgenstern macht das Beste aus der Corona-Krise.
© Morgenstern

Von Benjamin Kiechl

Seeboden – In der gemütlichen Stube sitzend entdeckt sich Thomas Morgenstern derzeit ein Stück weit selbst. Die Corona-Krise zwang den 33-jährigen Kärntner, der nach dem Karriereende 2014 auch mit seinem Helikopter beinahe täglich in der Luft ist, zur Landung. „Ich bin gerne bei mir zuhause in Seeboden“, erzählt der Olympiasieger (2006) mit einem Lächeln. Er habe Verständnis für die Maßnahmen während der Corona-Krise, hoffe jedoch, dass sich die Situation rasch bessere. „Es erinnert mich ein bisserl an die Zeiten in Finnland, als wir wegen Schlechtwetter das Hotel in Kuusamo für eine Woche nicht verlassen konnten.“ Er dürfe derzeit seine Eltern und Geschwister nicht besuchen. Trotz der „schwierigsten Zeit unserer Generation“ betont Morgenstern, dass man den Humor nicht verlieren dürfe.

Während der Zeit zuhause hat der Ex-Skisprungstar begonnen, sich mit einer Handy-App Gitarrespielen beizubringen. „Ich habe die Gitarre schon zehn Jahre zuhause und nun komme ich endlich dazu, Akkorde und Griffe zu lernen. Mein Ziel wäre, zu Weihnachten für meine Tochter Lilly ein Lied unter dem Christbaum zu spielen“, sagt er, an den Saiten zupfend.

Morgenstern geht davon aus, dass die Krise das Leben der Menschen verändern wird. „Es wird danach nichts mehr so sein, wie es war.“ Noch sei nicht absehbar, welche Auswirkungen es auf den Skisprung-Zirkus gebe. „Unser Sport lebt von Sponsoren, denn wir verkaufen keine Ski wie die Alpinen.“

Neo-Cheftrainer Andreas Widhölzl hält Morgenstern für eine gute Wahl. „Er ist kein Ego-Typ, sondern jemand, der für die Mannschaft da ist.“ Am Beginn seiner Karriere sei Widhölzl, der 2000 die Vierschanzentournee gewonnen hat, sein Vorbild gewesen. „Ich habe als Junger zu ihm aufgeschaut, als wir gemeinsam in Oberstdorf (2005) Doppel-Mannschaftsgold geholt haben“, erinnert sich der 23-fache Weltcupsieger. In Morgensterns letzter Saison 2013/14 fungierte Widhölzl als Co-Trainer von Alexander Pointner. „Es taugt mir, dass er jetzt seine Chance bekommt.“

Nach seinem Karriereende 2014 machte sich Morgenstern als Helikopterpilot selbstständig. Die Luftfahrt hat durch die Corona-Krise derzeit mit heftigen Turbulenzen zu kämpfen und das spürt der Jungunternehmer, der neben Rundflügen auch Versorgungsflüge auf Berghütten macht: Die Rotorblätter seines Hubschraubers, der am Flugplatz in Mauterndorf (Lungau) geparkt ist, stehen seit Wochen still. Mit dem Helikopter über die Berge zu schweben, sei für ihn nach wie vor das schönste Gefühl. Abschließend bittet Morgenstern, die Maßnahmen der Regierung einzuhalten, „dann kommen wir gut durch diese schwierige Zeit“.


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