In Roppen ist man jetzt froh um den Nahversorger

Noch im vergangenen Jahr kämpften Thomas Seelos und sein Team gegen das Greißlersterben an. Jetzt wirbt er um Kunden auch nach der Krise.

Noch vor einem Jahr rief der Bürgermeister zur Solidarität auf, während der kleine Nahversorgungsmarkt in Roppen jetzt für viele Einheimische „Gold wert“ ist, um ihre Grundbedürfnisse zu sichern.
© Parth

Von Thomas Parth

Roppen – 2017 öffnete Thomas Seelos seinen ADEG-Markt direkt am Kirchplatz in Roppen, nachdem das Geschäft längere Zeit leer gestanden war. Die Ausgangssituation für die Wiederansiedlung eines Nahversorgers galt als riskant. Denn die Roppener Bevölkerung hatte gelernt, ohne einen örtlichen Nahversorger zu leben. Noch im vergangenen Jahr stand es Spitz auf Knopf für den unternehmerischen Fortbestand des Greißlers, hatten doch die Einheimischen auf den Wert fußläufiger Einkäufe vergessen. Das veranlasste den Roppener Bürgermeister Ingo Mayr zu einem dramatischen Appell, in dem er per Flugblatt zur Unterstützung des Regionalversorgers aufrief.

Diese Zeiten scheinen nun, aufgrund allgemein eingeschränkter Bewegungsfreiheit, beinahe vergessen. „An einem halben Tag haben wir doppelt so viel Umsatz wie vor der Krise an einem ganzen Tag. Gleichzeitig bekommen wir sehr viele positive Rückmeldungen“, dankt Thomas Seelos: „Wir erledigen unseren Job weiterhin und sind für die Roppener da – und das ungeachtet der Gefahr, selbst angesteckt zu werden.“ Zusammen mit der Lebensgefährtin des Ladeninhabers, Anja Reindl, bilden zwei Teilzeitkräfte und eine geringfügig Angestellte das Nahversorgerteam. „Meinem Team muss ich Rosen streuen, weil es trotz der Widrigkeiten ungleich mehr arbeiten muss“, so der 51-Jährige.

Mit Mundschutz bedient Thomas Seelos seine Kunden in Roppen.
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Nach dem Appell im Vorjahr wurde der Einzelhändler verstärkt von seinen Stammkunden frequentiert. Doch erst durch Corona fanden Neukunden den Weg zum Greißler ums Eck. Hinzu kommen vermehrt Hauszustellungen: „Vormittags liefern wir unsere Bestellungen aus. Das ist zugegeben ein Mehraufwand, speziell was die telefonische Bestellungsannahme und die Auslieferungen betrifft, den wir unseren Kunden allerdings gratis bieten können.“ Falls dieses Geschäftsfeld weiter zunehme, „dann brauchen wir bald eine Telefonistin“, so Seelos. Auch seine Zeit, mit zwei betreuungspflichtigen Kindern zuhause, will schließlich gut eingeteilt sein.

„Wir liegen unter einer Geschäftsfläche von 400 Quadratmetern, weshalb wir von der Schutzmaskenpflicht ausgenommen sind“, bestätigt Seelos: „Dennoch ist es für uns und unsere Angestellten selbstverständlich, Masken und Handschuhe zu tragen. Auch Kunden bekommen auf Nachfrage einen für sie kostenlosen Mund- und Nasenschutz. Den Aufwand dafür tragen bislang wir.“ Der Roppener Kleinmarkt bietet „stressfreies Einkaufen ohne große Warteschlange an der Kassa“, wobei doch noch ein Wunsch an die Klientel offen wäre: „Vergesst uns bitte auch nach der Corona-Krise nicht!“

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