Zustelldienst in schwieriger Zeit: „Mehr Pakete als vor Weihnachten“

Mit der Corona-Krise hat sich für Briefzusteller Rene Ruetz nicht nur der Arbeitsalltag verändert – er erfährt auch mehr Wertschätzung durch die Kunden.

Rene Ruetz muss derzeit weniger Firmen-Post, dafür weiterhin private Briefe und vor allem deutlich mehr Paketsendungen zustellen.
© Ruetz

Von Nikolaus Paumgartten

Rum – Normalerweise sind es die Wochen in der Adventzeit, in denen die Brief-, vor allem aber die Paketzusteller der Post alle Hände voll zu tun haben. Normalerweise. Denn in Zeiten der Corona-Krise ist vieles anders. „Derzeit haben wir Tage, an denen wir mehr Pakete zustellen als vor Weihnachten“, berichtet Rene Ruetz. Der 45-Jährige arbeitet als Briefzusteller in der Zustellbasis Neu-Rum. Neben den klassischen Kuverts stellt er auch Großbriefsendungen und Kleinpakete bis zwei Kilogramm zu. „Die Firmenpost ist natürlich deutlich weniger geworden. Dafür sind es jetzt aber eben mehr Pakete“, sagt Rene Ruetz.

Doch nicht nur die Formate der Sendungen haben sich verändert, auch sonst unterscheidet sich der Arbeitsalltag des Postlers von dem vor der Krise. „Es sind jetzt viel weniger Menschen auf der Straße und viel weniger Autos unterwegs.“ Das habe den Effekt, dass er beim Zustellen dieser Tage oft schneller vorankommt. Dass er in seinem Beruf nicht auf Home-Office umstellen kann, empfindet Rene Ruetz nicht als Nachteil, sondern als Bonus. „Ich sage immer: Wir dürfen raus. Das ist speziell bei so einem Wetter, wie wir es derzeit haben, ein großer Vorteil im Vergleich zu anderen Berufen.“

Und auch sonst kann der 45-Jährige den neuen Verhältnissen einiges Positives abgewinnen. „Am Land ist es so, dass man die meisten Menschen, denen man die Post bringt, auch persönlich kennt“, erzählt Rene Ruetz, der seit mittlerweile 30 Jahren bei der Post beschäftigt ist. Im urbanen Raum sei das dagegen viel anonymer gewesen – bisher. „Die meisten unserer Kunden sind aber jetzt zuhause und können daher die Sendungen persönlich entgegennehmen.“ Das sei für viele die Gelegenheit, ihren Zusteller endlich auch einmal persönlich kennen zu lernen.

Mehr Wertschätzung

Angst, sich durch den Kontakt mit den vielen Empfängern selbst mit dem Coronavirus anzustecken, hat Rene Ruetz nicht. „Die Übergabe von Paketen oder Sendungen funktioniert so, dass man den Mindestabstand einhält. Und es ist auch keine Unterschrift mehr notwendig, wenn man das Paket übergibt.“

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Geändert hat sich außerdem auch die Wertschätzung, die er und seine Kollegen seit Beginn der Corona-Krise erfahren. „Viele Leute bedanken sich jetzt ganz besonders freundlich. Und man merkt, wie froh sie sind, dass wir da sind und ihnen ihre Briefe und Pakete bringen“, sagt Rene Ruetz. Er glaubt, dass sich in den vergangenen Wochen auch längerfristig der Stellenwert mancher Berufe in den Köpfen der Leute verändert hat. „Ich denke, dass die Arbeit bestimmter Berufsgruppen jetzt ganz anders wahrgenommen wird: allen voran die von Pflegepersonal und Ärzten. Aber auch das, was die Kassiererinnen im Supermarkt machen. Oder eben wir bei der Post.“


Kommentieren


Schlagworte