Dämmstoffprofi Steinbacher: „Bau ist Stütze zur Stabilisierung“

Der Tiroler Dämmstoffproduzent Steinbacher erwartet nach einem stabilen Ergebnis 2019/20 für heuer einen Umsatzrückgang von bis zu 12 Prozent. Schrammen in der Baubranche würden in zwei bis drei Jahren sichtbar.

Der Tiroler Dämmstoffhersteller Steinbacher produziert mit seiner Photovoltaikanlage auf 20.000 Quadratmetern seinen eigenen Solarstrom.
© Steinbacher

Von Stefan Eckerieder

Erpfendorf, Innsbruck –Der Tiroler Dämmstoffhersteller Steinbacher konnte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr stabil halten. Trotz der für heuer zu erwartenden Einbußen sieht Unternehmenschef Roland Hebbel in der Krise auch Chancen für den Wirtschaftsstandort.

Die Erpfendorfer Steinbacher-Gruppe mit Töchtern in Berlin und im polnischen Czosnów hat laut Unternehmensangaben im Geschäftsjahr 2019/20, das Ende März endete, 101,7 Millionen Euro umgesetzt. Das ist ein Rückgang von rund drei Prozent. „Der Grund: Sanierungsquote und -beihilfe gingen zurück und wegen der steigenden Zahl an Neubauprojekten fehlten die Arbeitskräfte für die Sanierung. Aber wir sind mit der Jahresbilanz zufrieden“, sagt Hebbel im Gespräch mit der TT. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet der Steinbacher-Chef wegen der Einschränkungen durch die Corona-Krise „eine Bremsspur“, die je nach Verlauf der kommenden Wochen und Monate einen Umsatzrückgang von acht bis zwölf Prozent bedeute.

Der Dämmstoffspezialist beschäftigt europaweit rund 500 Mitarbeiter, davon mehr als 300 in Tirol. Derzeit seien noch keine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die weitere Entwicklung des Personalstandes hänge aber vom Verlauf der Bausaison ab. Normalerweise beschäftige das Unternehmen im Sommer zusätzlich zehn bis 15 Prozent Saisonarbeiter. „In diesem Sommer werden wir wohl mit dem Jetzt-Bestand durchfahren. Wenn meine Prognosen aber nicht halten, muss man an Kostenschrauben drehen und das sind Personalkosten“, meint Hebbel.

"Zukunftsträchtigen Bereich abdecken"

Impulse für die Branche erwartet der Steinbacher-Geschäftsführer von der Politik durch die Forcierung des Klimaschutzes. Ein Thema, bei dem das eigene Unternehmen gut aufgestellt sei: „Wir decken sicher einen zukunftsträchtigen Bereich ab.“

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Zuletzt habe die Baubranche in Österreich einen Rückgang der Leistungen von bis zu 80 Prozent verzeichnet, sagt Hebbel, der aber damit rechnet, dass die Einbußen zum Teil im Laufe des Jahres wieder aufgeholt werden können. „Der Bau wird eine wichtige Stütze zur Stabilisierung der Krise sein. Um Projekte, die für heuer geplant sind, mache ich mir weniger Sorgen. Hier sind Dinge wie Genehmigungen bereits eingetütet. Für die kommenden zwei bis drei Jahre erwarte ich mir aber eine Strukturänderung. Auch der Bau wird vom Shutdown seine Schrammen abbekommen“, sagt Hebbel.

In der Krise sieht der Steinbacher-Chef aber auch die „Chance, dass künftig das Thema Regionalität stärker gelebt wird und Kernkompetenzen nach Europa zurückgeholt werden. Das könnte Transportwege reduzieren und die Produktion vor Ort stärken.“


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