Weniger neue Todesfälle in Spanien und Frankreich

Den vierten Tag in Folge hat Spanien einen Rückgang bei der Zahl der neuen Corona-Todesfälle verzeichnet. Wie das Gesundheitsministerium in Madrid mitteilte, starben in den vergangenen 24 Stunden 637 Corona-Infizierte. Dies entspricht dem niedrigsten Anstieg bei den Todesfällen seit 13 Tagen. Französische Ärzte haben unterdessen ungeachtet erster positiver Tendenzen im Land vor Euphorie gewarnt.

Insgesamt starben in Spanien inzwischen mehr als 13.000 Menschen an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Auch die Ansteckungsrate verlangsamt sich den Angaben des Ministeriums vom Montag zufolge. Demnach stieg die Zahl der Infizierten in den vergangenen 24 Stunden um 3,3 Prozent. Am Vortag hatte dieser Wert noch bei 4,8 Prozent gelegen.

Insgesamt sind in Spanien nach der offiziellen Zählung mehr als 135.000 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert. Am schwersten von der Pandemie betroffen ist in Spanien der Großraum Madrid. An zweiter Stelle folgt Katalonien.

Frankreich hatte am Sonntag den niedrigsten Anstieg bei Corona-Todesfällen seit einer Woche registriert. Für „Siegesrufe“ sei es jedoch zu früh, sagte der Leiter der Notfallabteilung am Pariser Krankenhaus Georges Pompidou, Philippe Juvin, am Montag dem Sender BFM-TV. Ähnlich äußerte sich der Generaldirektor der Pariser Krankenhausgesellschaft AP-HP, Martin Hirsch, im Radiosender France Inter.

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357 Krankenhauspatienten starben binnen 24 Stunden an der Lungenkrankheit Covid-19, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Die Gesamtzahl der Todesfälle erhöhte sich auf 8.078. Damit sei nicht der Höhepunkt der Epidemie erreicht, sondern allenfalls „ein Plateau“, sagte Hirsch. „Ein Plateau kann zwischen zwei Bergen liegen, und unser Ziel ist, dass kein zweiter Berg kommt“, betonte er. Juvin sagte, die Lage in Paris sei zwar „nicht mehr außer Kontrolle, aber immer noch sehr angespannt“.

Auch die Zahl der Einweisungen auf die Intensivstationen in Frankreich ging mit 140 zurück. Dort wurden aber immer noch knapp 7.000 Menschen behandelt.

In ganz Europa sind inzwischen mehr als 50.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Bis Montagvormittag wurden auf dem Kontinent 675.580 Infektions- und 50.209 Todesfälle registriert, wie eine Berechnung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben ergab. Europa ist damit weiterhin der am schwersten von der Pandemie betroffene Kontinent.

Fast 85 Prozent der Todesfälle in Europa wurden aus Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien gemeldet. In Italien starben 15.877 Infizierte - so viele wie in keinem anderen Land der Erde.

Im Kampf gegen das Coronavirus wollen sich die EU-Staaten indes stärker über Einsatzmöglichkeiten der nationalen Armeen austauschen. Es gehe darum, zu untersuchen, wie die Expertise des Militärs in der EU noch besser genutzt werden könne, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag nach einer Videokonferenz mit den Verteidigungsministern der 27 EU-Länder.

Informationen und Erfolgsrezepte, „best practice“, könnten miteinander geteilt werden. Schon jetzt gebe es in der Corona-Krise bemerkenswerte Beispiele für den Einsatz der Armeen, sagte Borrell. Sie bauten Krankenhäuser in Rekordzeit, unterstützen die Polizei oder böten Transportmöglichkeiten. In Deutschland unterstützen 15.000 Soldaten den Kampf gegen die Pandemie, in Polen seien es 9.000. Aber auch grenzüberschreitend seien die Militärs im Einsatz. So hätten rumänische Kräfte 90 Tonnen medizinischen Materials aus Südkorea geholt. Tschechien habe Ausrüstung nach Spanien und Italien gebracht. „All diese Arbeit ist äußerst wichtig.“

Eine Arbeitsgruppe, die im Auswärtigen Dienst der EU angesiedelt wäre, könnte Borrell zufolge prüfen, welche Möglichkeiten für die Armeen bestehen. Beschlossen ist eine solche Arbeitsgruppe allerdings noch nicht. Es werde keine Überschneidungen mit der NATO geben, sagte Borrell.

Das Hilfspaket im Ausmaß von 540 Milliarden Euro, das angesichts der Coronakrise zur Rettung der europäischen Wirtschaft bei den Eurofinanzministern auf dem Tisch liegt, wird laut dem Vizepräsidenten des EU-Parlaments, Othmar Karas (ÖVP), „auf keinen Fall“ ausreichen, „um unser Haus Europa nach der Corona-Katastrophe zukunftsfit zu machen.“ Das erklärte Karas im „Kurier“ (Dienstagsausgabe).

„Wir brauchen ein gemeinsames, solidarisches Finanzinstrument“, so der ÖVP-Europaabgeordnete. Alle Länder seien gleichzeitig mit einem massiven Nachfrage- und Angebotschock konfrontiert. „Es genügt nicht, wenn jedes Land sein eigenes Süppchen kocht und seine eigenen Hilfsprogramme auflegt“, betonte Karas. Es liege auch im Interesse Österreichs, dass alle anderen EU-Staaten die Krise ebenso überwinden.

Zum Streit um die Eurobonds meinte Karas: „Die Gemeinschaftung von Schulden wird hier völlig unnötig zum Schreckgespenst stilisiert. Wenn gemeinsame Anleihen einmalig, zweckgebunden und zeitlich befristet sind, gibt es keinen dauerhaften Haftungsautomatismus für die Staatsschulden und daher auch keinen Verstoß gegen die EU-Verträge.“ Ferner beklagte Karas: „Jeder redet von einem Marshallplan für Europa, aber jeder meint etwas anderes.“


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