„Exit-Plan“ bringt erste Corona-Auflockerungen nach Ostern

Am ersten Tag der Maskenpflicht in Supermarkt und Drogerie hat die Regierung am Montag angekündigt, einige Maßnahmen nach Ostern zu lockern, nachdem diese die Entwicklung der Covid-19-Fallzahlen in den vergangenen Tagen deutlich zu reduzieren halfen. Der Trend ging auch am Montag weiter: Mit 12.206 Infizierten (Stand: 15.00 Uhr) kamen in 24 Stunden rund 300 neue Fälle dazu.

Am Montag vergangener Woche waren es noch doppelt so viele neue positive Testungen. Den dritten Tag in Folge hat in Österreich auch die Anzahl der von Covid-19 wieder Genesenen jene der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 übertroffen. Mit Stand Montag, 10.30 Uhr, waren laut Innenministerium binnen eines Tages 465 Patienten wieder gesundet. Dagegen wies das Gesundheitsministerium 241 Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden aus (Stand: Montag, 8.00 Uhr).

„Die Hoffnung wächst - aber noch ist nichts gewonnen“, reagierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) auf die positiven Entwicklungen. Zuvor galt es aber für sein Ressort, den „Oster-Erlass“ mit dem laut Juristen rechtswidrigen Verbot privater Feiern mit mehr als fünf Gästen zurückzuziehen.

Ohne aufgesetzten Mund-Nasen-Schutz darf bereits seit heute, Montag, kein Lebensmittelgeschäft mit mehr als 400 m2 Fläche mehr betreten werden - und das ohne Ausnahme. Solange der Selbstbehalt nicht überschritten wird, darf der Handel auch Geld für die Masken verlangen, allerdings nicht mehr als den Selbstkostenpreis.

Am Dienstag ändert sich die Lage dann in Tirol, denn dann wird die seit 19. März geltende Vollquarantäne und Selbstisolation beendet, erklärte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Damit gelten in Tirol die bis Ende April verlängerten Ausgangsbeschränkungen des Bundes. Von der Aufhebung nicht betroffen sind St. Anton, das Paznauntal und Sölden, die weiterhin unter Quarantäne bleiben.

Der „Exit-Plan der Regierung für ganz Österreich sieht für die nahe Zukunft vor, dass die Ausgangsbeschränkungen bis Ende April verlängert werden, der Handel nach Ostern schrittweise öffnet. Das hängt von den Zahlen aber: „Wenn sie sich weiter in die richtige Richtung entwickeln, erfolgt der nächste Schritt mit 1. Mai“, kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an. Zu bleiben Schwimmbäder und Sportanlagen, Veranstaltungen können frühestens wieder ab Juli besucht werden. Die Schulen sollen hingegen frühestens ebenfalls im Mai wieder öffnen. Außerdem wird es eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln geben.

Weltweit ist die Lage weiterhin angespannt, auch wenn es in einigen schwer betroffenen Ländern Lichtblicke gab. Den vierten Tag in Folge hat Spanien am Montag einen Rückgang bei der Zahl der neuen Corona-Todesfälle verzeichnet. Das bedeutet aber, dass in vergangenen 24 Stunden immer noch 637 Infizierte starben. Auch die Ansteckungsrate verlangsamt sich. Ähnlich entwickelten sich die Zahlen in anderen europäischen Ländern.

Auch Frankreich hatte am Sonntag den niedrigsten Anstieg bei Todesfällen seit einer Woche registriert. Für „Siegesrufe“ sei es jedoch zu früh, sagte der Leiter der Notfallabteilung am Pariser Krankenhaus Georges Pompidou, Philippe Juvin, am Montag. Die Zahl der Einweisungen auf die Intensivstationen in Frankreich ging zurück. Dort wurden aber immer noch knapp 7.000 Menschen behandelt.

Für eine Studie zur Verbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung will Italien mit Blutabnahmen bei Freiwilligen beginnen. Bewohner aller Regionen sollen auf Antikörper getestet werden. Damit will man erfahren, welcher Prozentsatz der Bevölkerung bereits mit dem Virus Kontakt hatte, ohne es zu wissen.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland werden nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel auf jeden Fall bis 19. April bestehen bleiben. „Österreich war uns immer einen Schritt voraus“, sagte Merkel. Sicher denke man auch darüber nach, wie mögliche Schritte für eine spätere Lockerung aussehen könnten, sagte sie am Montag in Berlin. Aber sie könne jetzt kein Datum für einen Exit nennen. Am schlimmsten wäre, eine Lockerung anzuordnen und sie dann wieder zurücknehmen zu müssen, wenn es wieder mehr Tote gebe. „Österreich war uns immer einen Schritt voraus“, sagte Merkel.

Der britische Regierungschef Boris Johnson wurde wegen seiner Coronavirus-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert. Es handle sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, teilte das Büro des Premierministers mit. Johnson leide weiterhin an Symptomen der Infektion. Der britische Thronfolger Prinz Charles und Herzogin Camilla sind unterdessen wieder vereint. Charles (71) hatte vor einer Woche eine Corona-Infektion mit milden Symptomen überstanden. Camilla (72) musste bis Montag vorsichtshalber 14 Tage in Selbstisolation, um sicher zu gehen, dass sie nicht infiziert ist.

In ganz Europa sind inzwischen mehr als 50.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Bis Montagvormittag wurden auf dem Kontinent 675.580 Infektionen registriert. Europa ist damit weiterhin der am schwersten von der Pandemie betroffene Kontinent.

In Amerika, wo bereits mehr als 10.000 Corona-Tote gemeldet wurden, hat der oberste Gesundheitsbeamte Jerome Adams die Bürger auf weitere harte Tage eingestimmt und die Pandemie mit den Anschlägen vom 11. September und dem Angriff auf Pearl Harbor im Zweiten Weltkrieg verglichen. Mit mehr als 337.200 verzeichneten Infektionen sind die USA mit großem Abstand das Land mit den meisten Infektionen.


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