„Zur Beförderung der Andacht“ in der Karwoche

Haydns Reflexionen zu den letzten Worten Jesu, „Ein deutsches Requiem“ von Brahms und ein Passions-Oratorium von Telemann.

Seit 2007 steht Daniel Harding dem Schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchester als Musikdirektor vor.
© imago stock&people

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Die musikalischen Reflexionen zu „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ gehören zum Großartigsten aus Joseph Haydns Feder. Die Domherren der Stadt Cádiz hatten das Werk für die Fastenzeit in Auftrag gegeben. Die sieben Sonaten sollten für die Stunden zwischen Mittag und drei Uhr am Karfreitag jeweils eines der in den Evangelien dem sterbenden Jesus zugeschriebenen Worte atmosphärisch umsetzen. Die langsamen Sätze, eingerahmt von einer dunklen „Maestoso“-Einleitung und endend „Mit aller Kraft“ mit dem Erdbeben nach Jesu Tod, schrieb Haydn 1787 für Orchester.

Das Hamburger Ensemble Resonanz, das unter Riccardo Minasis Leitung historisch informiert auf modernen Ins­trumenten musiziert, gibt die sieben Sonaten höchst beredt wieder, eindringlich, dennoch subtil im reichen Spektrum der Stimmungen. Die Aufnahme zeigt Haydns Kunst auf dem Zenit in ihrer zutiefst inhaltsbezogenen Klangrede.

Zu den vielen Einspielungen von Johannes Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ gesellt sich eine Aufnahme von Daniel Harding mit dem Schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchester, das er seit 2007 leitet, und dem berühmten Schwedischen Rundfunkchor. Dieser zieht nach den ersten samtig dunklen Takten der tiefen Streicher mit einem geradezu transzendenten „Selig sind die da Leid tragen“ aus der Bergpredigt Jesu tief in das auf Trost angelegte Stück. Harding behält den ruhigen Grundpuls bei, wählt gemessene Tempi, was aber dann doch (beginnend mit dem zweiten Satz) zwar nicht die Kraft, aber immer wieder die Bedrohungen, die Brahms setzt, aufweicht. Das Orchester agiert vibratoarm, klar, fließend, warm. Matthias Goerne und Christiane Karg sind die Solisten, die beide mit inniger Anteilnahme, aber zu viel Pathos hervortreten. Insgesamt hat die Aufnahme ihre Vorzüge, aber starke Konkurrenz am Markt.

Georg Philipp Telemanns Passions-Oratorium „Seliges Erwägen“ von 1722, verfasst zur „Beförderung der Andacht“, wurde zum Erfolgsstück und wirkte jahrzehntelang stilbildend. Den Text hatte er selbst verfasst, in der bildhaften und anschaulichen Umsetzung bewährte sich der erfahrene Opern- und Kirchenkomponist. In Hamburg oder Riga etwa hatten im 18. Jahrhundert Aufführungen des Oratoriums ihren festen Platz im Konzertkalender, im 19. Jahrhundert geriet es in Vergessenheit.

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Dirigent Gottfried von der Goltz, das Freiburger Barockorchester und ein feines Solistenensemble (Anna Lucia Richter, Colin Balzer, Peter Harvey, Henk Neven und Michael Feyfar) laden mit einem Hamburger Live-Mitschnitt dazu ein, „Seliges Erwägen des bittern Leydens und Sterbens Jesu Christi“ als hörens- und erlebenswertes Oratorium neu zu entdecken.

Klassik:

  • Riccardo Minasi, Ensemble Resonanz: Haydn, Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze. harmonia mundi
  • Daniel Harding, Swedish Radio Symphony Orchestra: Brahms, Ein deutsches Requiem. harmonia mundi,
  • Gottfried von der Goltz, Freiburger Barockorchester: Telemann, Seliges Erwägen. NDR 2017, Aparté

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