Helden des Alltags: „Schon ein bisschen ein ungutes Gefühl“

Peter Schreder lenkt seinen Linienbus nicht nur, in den Pausen desinfiziert er diesen auch gründlich.

© Dödlinger Touristik GmbH

Von Nikolaus Paumgartten

Fieberbrunn –Auf seinen Routen befördert Peter Schreder Fahrgäste zwischen Waidring, St. Johann, Kitzbühel und Hochfilzen. „Die meisten sind Stammkunden, deshalb kenne ich viele von ihnen auch“, erzählt der 60-Jährige. Seinen Bus lenkt er für die Dödlinger Touristik GmbH, die im Auftrag des Verkehrsverbundes Tirol (VVT) die Haltestellen bedient und auch in Zeiten der Coronavirus-Krise dafür sorgt, dass die Menschen von A nach B kommen.

„Natürlich sind derzeit viel weniger Leute mit dem Bus unterwegs. Deshalb wurden ja auch die Fahrpläne umgestellt“, erzählt Peter Schreder. Dass er sich in seinem Beruf nach wie vor täglich im öffentlichen Raum bewegt, während andere Firmen längst auf Home-Office umgestellt haben, sieht der Busfahrer als Teil seines Jobs. „Ein bisschen ein ungutes Gefühl ist dabei“, räumt er ein. „Ich versetze mich dann aber einfach in den Fahrgast hinein.“ Wenn er da an jene denkt, die kein Auto haben und privat oder beruflich auf den Bus angewiesen sind, weil sie sonst nicht einkaufen oder zur Arbeit könnten, dann wisse er wieder, warum er das tut. Und die Kunden danken es ihm auch. „Die Menschen schätzen es sehr, dass auch in diesen Zeiten der Bus fährt“, berichtet Peter Schreder. Und viele von ihnen drücken ihre Dankbarkeit auch deutlich aus.

Während der Fahrt gilt die Konzentration in erster Linie dem Geschehen auf der Straß­e. Aber über den Spiegel hat Peter Schreder auch immer ein wachsames Auge darauf, was im Inneren des Busses passiert. „Ich präge mir ein, wo sich die Fahrgäste hingesetzt haben. In meinen Pausen gehe ich dann dort hin und desinfiziere die Plätz­e und Haltestangen gründlich.“ Hygiene und Sauberkeit haben in diesen Tagen eben besondere Priorität. „Ich tue das einerseits, um die anderen Fahrgäste zu schützen, aber auch für mich selbst.“

Seinem Schutz dient es außerdem, dass Fahrgäste nicht mehr über die vorderste Türe in den Bus einsteigen können, sondern die mittlere und hintere benützen müssen. „Auch Fahrkarten verkauf­e ich derzeit keine im Bus.“ Damit werde der Kontakt mit den Fahrgästen auf das Notwendigste reduziert und mit Geld muss er auch nicht hantieren. Dass nach Ostern die Maskenpflicht nicht nur wie bereits seit Anfang der Woche in Geschäften, sondern dann auch in Öffis gelten wird, hält der erfahrene Buslenker – er übt den Beruf seit 35 Jahren aus – für richtig. „Aber auch jetzt schon gibt es Fahrgäste, die eine Maske tragen, wenn sie einsteigen.“

Einen Wunsch hat Peter Schreder an die Nutzer von Öffis – für sich und im Sinn­e seiner Kollegen: „Es wäre schön, wenn die Fahrgäste einsteigen, sich auf einen Platz setzen und dabei im Bus nur das berühren, was unbedingt sein muss – also möglichst wenige Stangen und Haltegriffe.“ Das würd­e viel zur Hygiene im Fahrzeug beitragen, betont Peter Schrede­r.


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