Forscher entschlüsseln das ABC des SARS-CoV-2-Virus

Drei Grundtypen von Sars-CoV-2 und deren Verbreitung über die Erde hat ein Forscherteam in einer Studie im Fachblatt „Pnas“ analysiert. Dabei zeigte sich, dass der ursprüngliche Typ A sowie Typ C den Sprung in die weite Welt geschafft haben, während Typ B vor allem in Ostasien anzutreffen ist. An der Entwicklung von Tests, um das wandelbare Virus rasch nachzuweisen, arbeiten auch Wiener Forscher.

Das Team um Genetiker und Archäologen aus Deutschland und Cambridge (Großbritannien) haben im Rahmen ihrer Untersuchung die ersten 160 vollständig entschlüsselten menschlichen SARS-CoV-2-Genome unter die Lupe genommen. Die Proben stammten aus der Zeit vom Ausbruchsbeginn Ende vergangenen Jahres bis in den März hinein. Mit Methoden, die ursprünglich zur Rekonstruktion frühgeschichtlicher menschlicher Wanderbewegungen anhand von alter DNA entwickelt wurden, ging die Gruppe um Bernd Brinkmann und Peter Forster von Institut für forensische Genetik in Münster der Ausbreitung des neuen Coronavirus nach.

Sie fanden dabei drei Varianten: Als Typ A identifizierten sie die Variante des menschlichen Coronavirus, die dem von Fledermäusen stammenden vermuteten Ausgangsvirus am ähnlichsten ist. Wider Erwarten ist es aber nicht diese Variante, die am Ursprungsort der Pandemie, der chinesischen Stadt Wuhan, am häufigsten anzutreffen war. In Ostasien und im einstigen Epidemie-Epizentrum Wuhan wurde vor allem Typ B nachgewiesen.

Diese Variante präsentierte sich auch am stärksten örtlich gebunden, waren doch außerhalb Asiens vor allem die Varianten A und C nachweisbar, heißt es in einer Aussendung. Diese beiden Virus-Typen waren es auch, die großteils bei den ersten nachgewiesenen Fällen in Europa, Amerika und Australien auftraten. Typ C wurde etwa sehr früh in Singapur nachgewiesen und verursachte auch viele der ersten europäischen Fälle.

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Alle Varianten sind sehr eng miteinander verwandt, es lasse sich aber ablesen, dass sich die Viren in ihren menschlichen Wirten weiterentwickeln, so die Forscher, die ihre Methode als sehr geeignet ansehen, die Infektionswege für dokumentierte Covid19-Fälle nachzuzeichnen. So weise das errechnete Netzwerk auf zumindest zwei unabhängige frühe Wege des Virus nach Italien hin.

Mit dem raschen und einfachen Nachweis des veränderlichen Virus beschäftigt sich auch das aus EU-Mitteln mit insgesamt drei Millionen Euro geförderte Projekt „CORONADX“. Ein Teil des von der Technischen Universität Dänemark geleiteten Vorhabens wird an der Medizinischen Universität Wien abgewickelt. In den nächsten drei Jahren wird das Wiener Team um den Infektiologen Christoph Steininger klinische und epidemiologische Studien zu den entwickelten Verfahren durchführen, heißt es.

„Die Verlässlichkeit von Schnelltests wird entscheidend von der Auswahl des richtigen Virusstammes beeinflusst. Coronaviren können sich genetisch rasch verändern und damit auch die viralen Proteine, die von Schnelltests erfasst werden sollen. Stark veränderte virale Proteine würden von Schnelltests nicht mehr erfasst werden“, so Steiniger. Es geht also darum, die Veränderungen zu erkennen und die Tests daraufhin anzupassen.

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