Corona-Krise trifft Tirol und Salzburg am härtesten

Besonders wegen des hohen Tourismusanteils haben die beiden westlichen Bundesländer laut Wifo die größten Covid-19-Folgen.

In Tirol sind vor allem auch tourismusbedingt ein gutes Drittel der Beschäftigten mit sehr hohen Corona-Folgen tätig.
© Thomas Böhm

Wien, Innsbruck –Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat eine Skala zur ökonomischen Betroffenheit der einzelnen Wirtschaftsbereiche durch die Corona-Pandemie und die einschneidenden Maßnahmen zu ihrer Eindämmung entwickelt. Die aktuell größten negativen wirtschaftlichen Auswirkungen gibt es laut den Wirtschaftsforschern bei Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben, gefolgt von Kunst und Unterhaltung sowie Erziehung und Unterricht. Diese Bereiche sind vom aktuellen Corona-Shutdown am stärksten betroffen. Ebenfalls erheblich betroffen sind die Branchen Handel, Verkehr, Finanz- und Versicherungsleistungen sowie Grundstücks- und Wohnungswesen.

Laut der Wifo-Studie arbeitet insgesamt nur rund ein Drittel der Erwerbstätigen in Österreich in Branchen, die nach unseren Bewertungskriterien ökonomisch nicht oder nur moderat von der derzeitigen Krisenphase betroffen sind. Hingegen sind zwei Drittel der Beschäftigten in aktuell erheblich bis sehr stark betroffenen Branchen tätig. Damit seien in Österreich rund 1,32 Millionen Erwerbstätige Branchen mit starker und sehr starker Betroffenheit zuzurechnen. „Trotz beträchtlicher Unterschiede in den regionalen Wirtschaftsstrukturen zeigt sich für die meisten Bundesländer in Summe ein ähnlicher Betroffenheitsgrad“, sagt die Wifo-Ökonomin Julia Bachtrögler.

Oberösterreich (23,8 Prozent) und Niederösterreich (26,4 Prozent) stellen unter den Bundesländern den geringsten Anteil an Erwerbstätigen, die in besonders stark betroffenen Branchen tätig sind. An der Spitze liegen Tirol (34,4 Prozent) und Salzburg (33,2 Prozent). Grund ist vor allem der hohe Tourismus­anteil in den beiden westlichen Bundesländern.

In einer weiteren Studie hat die Wifo die drohenden Folgen für den Tourismus untersucht. Neben den aktuellen Sperren von Hotels, Restaurants, Seilbahnen sowie Freizeiteinrichtungen gibt es ja auch fast überall in Europa geschlossene Grenzen, das Aus für Flugreisen und weitere massive Corona-Einschränkungen. Neben Urlaubsabbau gebe es bei vielen Einkommensverluste durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sowie Erlöseinbußen bei Selbstständigen. Neben vielfach fehlenden Reisemöglichkeiten sei zurzeit auch das persönliche Sicherheitsgefühl deutlich geschädigt.

Prognosen für das laufende Jahr 2020 sind laut Wifo wegen der vielen Fragezeichen, etwa wie lange die Sperren anhalten und wie das Virus in den Griff zu bekommen ist, äußerst schwierig. Zumal von Corona weit massiver betroffene Märkte wie Italien und Spanien heuer ausfallen dürften. Einzige Chance seien heuer Inlandsurlaube und Urlauber aus Nahmärkten. Laut den vom Wifo errechneten Szenarien müsse auf jeden Fall bei den Nächtigungen übers Gesamtjahr mit Rückgängen zwischen 23 und 31 Prozent gerechnet werden, bei den Einnahmen könnte das Minus noch deutlicher ausfallen. (TT, APA)


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