Kreative Wege der Seelsorge in ganz besonderen Zeiten

Da ist jemand: Diese Botschaft vermittelt Pfarrer Johannes Laichner vom Seelsorgeraum Inntal derzeit auf vielen Kanälen. Schließlich ist trotzdem Ostern.

Die Reihen in den Kirchen sind leer, und trotzdem sind sie alle mit dabei.
© Laichner

Von Michaela S. Paulmichl

Roppen – Sie sind alle da: Kinder, Erwachsene, ältere Menschen, Alleinstehende, Paare, ganze Familien. Die Reihen in der Pfarrkirche von Roppen sind voll – so voll wie wohl nur sehr selten. „Sonst stehe ich hier nicht vor rund 1000 Menschen“, meint Pfarrer Johannes Laichner, der für den Seelsorgeraum Inntal zuständig ist. So viele sind seiner Aufforderung nachgekommen und haben Fotos von sich geschickt, die sich nun – ausgedruckt auf buntem Papier – in den leeren Bänken aneinanderreihen. Die Aktion des Pfarrers, der sich so in seiner Kirche nicht mehr allein fühlen muss, berührt viele und hat sich bis nach Australien herumgesprochen, wo die Brisbane Times berichtete.

„Viele Menschen vermissen die Gottesdienste und jetzt die Osterfeierlichkeiten“, sagt der für die Pfarren Roppen, Karrösten, Karres und Mils bei Imst zuständige Tiroler Priester. Auf diese Weise hätten sie das Gefühl, doch irgendwie mit dabei und in das Gebet ihres Pfarrers mit eingeschlossen zu sein, der still weiter für sie feiert und so mit ihnen in Verbindung bleibt. Auf den Fotos sind auch Menschen zu sehen, die weiter weg wohnen, „und sogar der Bischof hat eines geschickt“.

Laichner ist auch Missio-Diözesandirektor von Innsbruck, auf der Homepage missio.at/pfarrer-johannes sendet er in diesen Wochen der sozialen Isolation und Unsicherheit immer um 19 Uhr auch eine tägliche Botschaft an die Gläubigen – aufgenommen mit seiner Handy-Kamera. Der Festgottesdienst heute Ostersonntag um 10 Uhr wird aus der Pfarrkirche Mils übertragen. Wer möchte, kann über Life-Stream mit dabei sein.

„Besondere Zeiten verlangen auch besondere Wege in der Seelsorge“, ist der junge Pfarrer überzeugt. Und er sieht darin auch eine Chance: „Man ist gezwungen, kreativ zu sein und die Botschaft über alle zur Verfügung stehenden Kanäle hinauszubringen.“ Bei allen Sorgen um die Gesundheit und genügend Lebensmittel dürfe man die Sehnsucht nach Nahrung für die Seele nicht übersehen.

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Johannes Laichner ist Pfarrer im Seelsorgeraum Inntal und Missio-Diözesandirektor von Innsbruck.
© Laichner

„Viele gehen jetzt nach den Abendnachrichten mit ihren Ängsten und Gedanken über Krankheiten und den Tod ins Bett.“ Für sie schließt er seinen Abendsegen mit „nur Mut, kleine Seele“ – Worte der an Tuberkulose erkrankten hl. Therese von Lisieux, die noch auf dem Sterbebett ihre Mitschwestern aufmunterte.

Die Videos haben regelmäßig über 2000 Zugriffe, auch auf der Pfarr­homepage gibt es meistens 400 bis 500 Klicks. „Ich predige sonst nie vor 2500 bis 3000 Leuten“, freut sich der Pfarrer, der von einer „auch für uns Priester zwar belastenden, aber auch heilsamen und schönen Erfahrung“ spricht. Etwa, wenn Menschen ihm schreiben: „Pfarrer, ich dank’ dir, dass jemand da ist.“ Oder Kinder per WhatsApp Bilder von sich schicken, mit einer der Marienmedaillen um den Hals, die in der Kirche aufliegen, und dazu ein Daumen-hoch-Emoji. „Sie fühlen sich beschützt. Diese Rückmeldungen berühren mich sehr.“

Die heilsame Erfahrung neben all der Tragik, das passe gut zur Osterbotschaft. „Wir leiden unter der Situation, fühlen uns hilflos, und plötzlich geht das Licht an und kehrt sich alles ins Positive. Ich wünsche jetzt allen – vom Kind bis zu den Großeltern –, dass sie in Einheit, Solidarität und Hoffnung miteinander verbunden sind und sich als Teil von etwas Großem fühlen.“


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