Keine Engpässe in heimischen Spitälern in Sicht

Österreich bewegt sich während der Corona-Pandemie bei der erwarteten Auslastung der Spitalskapazitäten „auf der sicheren Seite“. Das hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Karfreitag bekräftigt. Laut Herwig Ostermann, dem Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, gehen die Prognosemodelle für die nächste Woche von einem moderaten Rückgang bei den belegten Betten aus.

Wie Ostermann im Detail ausführte, werden bis zum 17. April rund 14.000 positiv auf SARS-CoV-2 Getestete erwartet. Am Freitagnachmittag waren es rund 13.400. Rund 750 Covid-19-Erkrankte befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf Normalstationen in Krankenhäusern, um die 260 auf Intensivstationen. Diese Zahlen sollen in den kommenden Tagen auf 600 bis 700 bzw. 200 bis 250 zurückgehen, legte Ostermann dar.

Für weitere 1.000 stünden Intensivbetten zur Verfügung, betonte Ostermann. In der Normalpflege wären Betten für insgesamt 20.000 Corona-Patienten vorhanden.

Anschober zeigte sich erfreut, dass in allen neun Bundesländern die Zuwachsraten bei den Infektionszahlen sinken. Der effektive Reproduktionsfaktor sei mittlerweile auf unter 1 gesunken. Diese Zahl gibt an, wie viele Mitmenschen eine infizierte Person ansteckt. Den Ausgangsfaktor (R0) unter 1 zu drücken, war das erklärte Ziel der Bundesregierung.

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Die Zahl der in Österreich aktiv an Covid-19 erkrankten Personen verringerte sich bis zum Karfreitag (Stand 10.30 Uhr) weiter. Nach bisher 13.404 positiven Testergebnissen sind 6.064 Personen wieder genesen und 319 gestorben, teilten Innen- und Gesundheitsministerium mit. Die aktiven Fälle gingen damit im 24-Stunden-Vergleich um 7,4 Prozent auf 7.021 zurück.

Die 319 Todesopfer bedeuteten einen Anstieg um 24 Verstorbene seit Donnerstag. 71 Todesfälle gab es bisher in der Steiermark, 67 in Wien, 59 in Tirol und 54 in Niederösterreich. Oberösterreich meldete 29 Tote, Salzburg 23, Vorarlberg sieben, Kärnten fünf und das Burgenland vier. Die Zahl der durchgeführten Testungen auf das Coronavirus lag mittlerweile bei 134.743.

Anschober erklärte die erste Etappe im Kampf gegen das Coronavirus für erfolgreich beendet. „Die zweite Etappe wird deutlich schwieriger“, kündigte er aber an. Eine „gesicherte schrittweise Öffnung“ des öffentlichen Lebens und begleitende Kontrolle sollen verhindern, dass die Covid-19-Erkrankungen wieder in die Höhe schnellen, stellte Anschober klar.

Die am Freitag veröffentlichte SORA-Studie, derzufolge es Anfang April zumindest drei Mal mehr Infektionen als behördlich bestätigte Fälle gegeben haben dürfte, habe die Linie der Bundesregierung bestätigt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wären „der einzig richtige Weg gewesen“. Die Studie habe „zu hundert Prozent das gezeigt, was wir erwartet haben“, nämlich einen geringen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung und eine geringe Anzahl an Immunisierten. Insofern wäre es „verantwortungslos“ gewesen, „auf die Herdenimmunität zu setzen“, sagte Anschober. Bis sich die Lage entspanne, könne es „länger dauern“, insofern dürfe man nach Ostern „nicht in traditionelles Verhalten zurückfallen“. Das Abstandhalten - laut Anschober „das neue Grundgesetz in Österreich“ -, das Vermeiden von Ansammlungen, das Tragen von Mund-Nasen-Masken und das singuläre Betreten von Geschäften, wobei im Inneren pro Person 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen, müsse konsequent beachtet werden.

Daneben will Anschober „tagtäglich kontrollieren, ob es Bewegung bei den Zahlen gibt“. Das manuelle Kontaktpersonen-Management werde „intensiviert“, die Rot-Kreuz-App sei „ein zusätzliches Unterstützungsinstrument“, meinte der Gesundheitsminister. Sollten sich wieder Infektionsherde bilden, müssten die Cluster „ganz, ganz schnell“ erkannt werden.

„Massiv verstärken“ will Anschober die PCR-Tests, und zwar vor allem in Alters- und Pflegeheimen sowie in den Gesundheitsberufen, wozu auch die mobile Pflege zähle, wie er betonte. „In diesem Bereich wird es ein großes Zusatzprogramm an Testungen und Handlungsanleitungen und Schutzmaßnahmen wie in Spitälern geben“, erklärte der Minister. Zukünftig sollen auch Hausärzte anordnen dürfen, dass PCR-Tests gemacht werden. Grundsätzlich müssten niedergelassene Ärzte „viel stärker“ in Testungen eingebunden werden, bekräftigte der Gesundheitsminister.

Schrittweise sollen nicht lebenswichtige Operationen, die man bisher aufgrund der Corona-Krise zurückgestellt hat, wieder ermöglicht werden. Die Kurhäuser bleiben dagegen bis auf Weiteres geschlossen, die Reha-Einrichtungen, die bei Bedarf für Corona-Patienten zur Verfügung stehen, behalten vorerst weiter diese Funktion.


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