Wohnen bleibt teuer, Luxus und Läden droht Preissturz

Werden die Immobilienpreise in Tirol durch die Corona-Krise fallen? Bei Kaufwohnungen eher nicht, bei Luxus-Immos und Geschäften sehr wohl.

Luxusvillen und Penthäuser könnten nach der Corona-Krise weniger Profit abwerfen.
© Bilderbox

Von Nina Werlberger

Innsbruck, Wien — Wie geht es mit den enorm hohen Immobilienpreisen in Tirol nach der Corona-Krise weiter? Viele Landsleute, die aktuell eine Wohnung kaufen oder verkaufen wollen, sind verunsichert. Könnte es Notverkäufe geben, wenn Menschen ihren Kredit nicht mehr bedienen können? Werden Wohnungen nach der Krise billiger?

Experten wagen aktuell kaum eine Prognose. Zu viel ist unklar. Aber mit großflächig fallenden Preisen rechnen auch die wenigsten.

Paul Grossmann ist Präsident des Haus- und Grundbesitzerbundes in Tirol. Er erwartet, dass die Preise bei Luxuswohnungen und Geschäftslokalen unter Druck geraten werden. „Bei Geschäfts- und Gastronomielokalen wird es vermutlich eine preisdämpfende Wirkung geben", erklärt Grossmann. Bei Wohnungsmieten und Wohnungspreisen erwartet er allerdings keinen Preissturz. Grundstückspreise dürften vorerst stagnieren. „Notverkäufe könnte es naheliegenderweise dort geben, wo in Goldgräbermanier begonnene Luxusprojekte noch nicht abverkauft sind", meint der Innsbrucker Rechtsanwalt.

Verunsicherung bei Geschäftslokalen

Er beobachtet aktuell auch eine zum Teil große Verunsicherung bei den Geschäftslokalen. Manche Betriebe würden jetzt jegliche Mietzahlungen pauschal verweigern. Dabei müsse jeder Fall einzeln betrachtet werden. Der Hausbesitzerbund drängt nun auf finanzielle Corona-Hilfen auch für Eigentümer und Vermieter.

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Bei den Immo-Firmen der heimischen Banken rechnet man trotz der Krise und der massiv gestiegenen Arbeitslosigkeit nicht mit einem gravierenden Einbruch.

Aktuell laufe der heimische Immobilienmarkt infolge des Shutdowns auf Sparflamme, teilte Raiffeisen Immobilien mit. Die Verbundmakler-Organisation rechnet trotz des Corona-Shutdowns mit einer weiterhin stabilen Entwicklung des heimischen Immobilienmarktes. Bei Wohnimmobilien im Kaufsegment werden keine Preisrückgänge erwartet. Bei Kleinwohnungen etwa sei trotz Krise weiterhin mit Preissteigerungen zu rechnen. Sorgen bereitet den Raiffeisen-Maklern allerdings der Gewerbeimmobilienmarkt. Hier werden in allen Bundesländern Einbrüche vorhergesagt.

Bei Wohnimmoblilien "kein nennenswerter Preisrückgang"

Ingmar Schwabl ist Geschäftsführer von sReal in Tirol. Das ist der Immobiliendienstleister der Erste Bank, Sparkassen und sBausparkasse. Seit dem Beginn der Ausgangssperre sei unmittelbar ein starker Rückgang der Nachfrage nach Miet- sowie Kaufobjekten wahrnehmbar, erklärt Schwabl gegenüber der TT. Gleichzeitig hätten Investoren jedoch nach dem Kurssturz an den Börsen verstärkt Interesse an Immobilien gezeigt.

Bei Wohnimmobilien rechnet auch Schwabl mit „keinem nennenswerten Preisrückgang". Auch seien Wohnungen und Wohnhäuser nicht so stark von der konjunkturellen Situation abhängig wie Gewerbeimmobilien. Als Folge der steigenden Arbeitslosigkeit rechnet er mit einem höheren Angebot an Bestands­objekten. Dem stehe eine weiterhin starke Nachfrage nach Immobilien für den Eigenbedarf sowie als sichere Anlageform gegenüber.

Und die Gewerbe-Immos? sReal rechnet damit, dass zahlreiche Unternehmen nach dem Überwinden der Krise ihre Expansionspläne kritisch hinterfragen werden. „Teilweise ist die Situation im gewerblichen Segment sowohl für Vermieter als auch Mieter angespannt", bemerkt Schwabl.

Veränderungen erwartet er unter anderem auch bei den Büros, wenn infolge der Corona-Krise in den Betrieben künftig verstärkt auf Home-Office und Telearbeit gesetzt wird.

Freilich: Nicht alle Sektoren am Immo-Markt werden durch die Coronavirus-Krise gleich leiden. Der Wiener Immobiliendienstleister EHL ortet nur geringe Auswirkungen für besonders gute Lagen oder für Investments in Wohnungen. Immos, die mit Freizeit, Gastronomie oder Einzelhandel zu tun haben, hätten es dagegen sehr schwer — ebenso schlechte Lagen.

Eine Abwärtsbewegung bei den Preisen erwartet EHL nicht, eher würden Investoren in der Krise höhere Renditen verlangen, erklärte EHL-Experte Franz Pöltl gegenüber der APA. Im März brachen laut EHL großvolumige Immobilieninvestments in Österreich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 40 Prozent ein.


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