Papst ruft Europa bei Ostermesse zu Solidarität auf

Papst Franziskus, der am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom die Ostermesse gefeiert und den Segen „Urbi et Orbi“ erteilt hat, hat Europa zu Solidarität aufgerufen. „Diese Zeit erlaubt keinen Egoismus, denn die Herausforderung, vor der wir stehen, ist uns allen gemeinsam und macht keine Unterschiede“, sagte der Papst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe Europa wieder neu erstehen können, weil ein konkret spürbarer Geist der Solidarität es ermöglicht habe, die Rivalitäten der Vergangenheit zu überwinden, so der Heilige Vater. „Umso dringender ist es, gerade unter den heutigen Umständen, dass diese Rivalitäten nicht wieder aufleben, sondern dass sich alle als Teil einer Familie erkennen und sich gegenseitig unterstützen“, sagte Franziskus.

Die Europäische Union stehe heute vor einer „epochalen Herausforderung“, von der nicht nur ihre Zukunft, sondern die der ganzen Welt abhänge. „Lasst uns nicht die Gelegenheit versäumen, einen weiteren Beweis der Solidarität zu erbringen, auch wenn wir dazu neue Wege einschlagen müssen. Als Alternative bleibt sonst nur ein Egoismus der Einzelinteressen und die Versuchung, in die Vergangenheit zurückzukehren, und das Risiko in Kauf zu nehmen, dass das friedliche Zusammenleben und die Entwicklung künftiger Generationen auf eine harte Probe gestellt werden“, warnte der Papst. Diese Zeit erlaube keine Spaltungen.

Der Papst äußerte die Hoffnung, dass der Krieg in Syrien, der Konflikt im Jemen und die Spannungen im Irak sowie im Libanon ein Ende finden. Er bete dafür, dass Israelis und Palästinenser wieder den Dialog aufnehmen, um „eine stabile und dauerhafte Lösung zu finden, die beiden ein Leben in Frieden ermöglicht“. Er bat auch um Frieden in der Ostukraine und um Schutz für Migranten und Flüchtlinge, insbesondere in Libyen und an der griechisch-türkischen Grenze.

Auch im Heiligen Land werden die heurigen Osterfeierlichkeiten lediglich im kleinsten Kreis begangen. Laut dem höchsten katholischen Würdenträger des Landes bietet sich dadurch eine Gelegenheit zur Besinnung auf das Wesentliche. In seiner Osterbotschaft sagte der lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa: „Wir hatten nicht die Feierlichkeit, die wir wollten. Die Pandemie-Beschränkungen haben uns aber indirekt dazu gebracht, darüber nachzudenken, was für uns essenziell wichtig ist.“

„In diesen Tagen erleben wir auf neue Weise das Fehlen normaler Beziehungen zwischen uns“, sagte Pizzaballa in seiner Osterbotschaft. „Eingeschlossen in unseren Häusern und eingeschränkt in unserer Bewegung haben wir verstanden, wie wichtig diese Dinge sind, die uns verweigert werden: Bewegungsfreiheit, Schule, Arbeit, Teilnahme am Gruppenleben, Zeit mit Freunden und so weiter.“ Oft lerne man Dinge erst dann wirklich zu schätzen, wenn man sie verloren habe.

Israel hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus alle Gebetshäuser im Land bis auf weiteres geschlossen. Die traditionellen Prozessionen durften in der Osterwoche nicht stattfinden. Auch die Grabeskirche ist für die Öffentlichkeit geschlossen, nur Zeremonien religiöser Würdenträger sind im kleinsten Kreis erlaubt.


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