Kinderkrippen in Not: Sorge um Betreuung von Kindern in Tirol

Elternfinanzierte Kinderkrippen fürchten nach den Schließungen wegen des Coronavirus um Finanzierung und Weiterbestand.

Mit den Ausgangsbeschränkungen wurden auch die Kinderkrippen heruntergefahren. Nun drohen Geldnot und die Angst vor dem Zusperren.
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Von Verena Langegger

Innsbruck –Mit heutigem Tag werden die Einschränkungen im Handeln zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus gelockert. So können Läden mit einer Größe bis 400 m2 oder etwa Baumärkte wieder aufsperren. Zahlreiche berufstätige Eltern, die nun zurück an ihren Arbeitsplatz können, müssen ihre Kinder nun wieder in eine Kinderbetreuungseinrichtung schicken.

Und auch für die Kinderbetreuungseinrichtungen gestaltet sich die Corona-Krise als organisatorische, aber auch finanzielle Herausforderung. Denn auch sie wurden angehalten, Kinder seit den Ausgangsbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen nur in absoluten Notfällen zu betreuen. Die Finanzen von März waren mit dem Shutdown am 16. März noch geregelt, heißt es etwa von den Kinderfreunden.

Jenes Drittel der Betreuungskosten, das Eltern im Schnitt übernehmen, war bereits bezahlt. Im April gestaltete sich die Finanzierung schon schwieriger, viele Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuten, wollten (oder konnten) keine Beiträge bezahlen. Das Land kündigte nun an, einzuspringen: Ein Fonds von insgesamt 1,5 Millionen Euro für den Entfall von Elternbeiträgen für Kinderbetreuungseinrichtungen wurde zugesagt.

"Rechnung könnte sich nicht ausgehen"

Geld gibt es noch keines, denn bis jetzt gebe es weder Kriterien noch Richtlinien. Eltern und Einrichtungen warten jetzt bereits seit Wochen auf eine entsprechende Lösung. Simon Grießenböck, ehrenamtlicher Vorsitzender der Kinderfreunde Tirol, fürchtet zudem, dass sich „die Rechnung für alle Kinderbetreuungseinrichtungen nicht ausgehen könnte“. „Wenn sich von dem Betrag, den wir vom Land bekommen, etwa nur 75 Prozent der Elternbeiträge abdecken lassen, dann werden wir uns das Betreiben von Kinderbetreuungseinrichtungen vielleicht schon bald nicht mehr leisten können.“

Massive Kritik an der unsicheren Situation der Kinderbetreuungseinrichtungen kommt von der Frauenvorsitzenden der SPÖ Tirol, Selma Yildirim. Viele Eltern seien durch die Krise arbeitslos geworden, Elternbeiträge für die Kinderkrippe, die pro Monat mehrere hundert Euro ausmachen, könnten sie sich nicht mehr leisten, Krippenplätze seien gekündigt worden. „Für die Vermittlung in eine neue Beschäftigung braucht es allerdings den Nachweis, dass man einen Betreuungsplatz für die Kinder hat.“ Yildirim hofft nun, dass jene Eltern ihren bereits gekündigten Platz wieder zurückerhalten und somit die Sicherheit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurückgewinnen können. Sie unterstreicht die Forderung der SPÖ nach ganztägiger und kostenloser Betreuung für alle Kinder.


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