Abnormale Disco-Höhen: The Strokes sind zurück

Erstes Update seit sieben Jahren: „The Strokes“ sind mit „The New Abnormal“ wieder im Jahr 2001 angekommen. Selbstbewusst haben sie die Garage gegen den Club getauscht.

Garagenrocker von damals? The Strokes brachten Anfang der Nullerjahre ihr Debüt heraus. Nach etlichen Experimenten sind sie nun wieder bei ihren Anfängen gelandet.
© Sony Music

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Er war der Popstar der jüngeren Kunstwelt. Jean-Michel Basquiat bekritzelte Leinwände, designte Mode, legte in Clubs auf, erlangte im Schlepptau von Andy Warhol Kultstatus. Der Künstler als einsames Genie ist mit Basquiat ebenso (erneut) begraben worden wie der heilige Kunstmarkt. Die weitere Entwicklung zeigt: Das Abnormale wurde Normalität.

Heute ziert das einstige Abnormale in Form von Basquiats Bild „Bird on Money“ das neue Album der Band The Strokes und steht dort in Kombination mit dem Titel „The New Abnormal“ wohl stellvertretend für die schrägen Vögel der Gegenwart – von Trump bis Tiger King – die, so bleibt zu hoffen, nicht neue Normalität werden. Politisch wollen die Strokes dennoch nicht sein, den Nullerjahre-Rockern aus New York City geht es in „The New Abnormal“ um Atmosphäre, um das Rückbesinnen auf das große Damals.

Die richtige Dosis "Räudigkeit"

2001 erschien ihre Debüt-EP „Is This It“ – Kritiker und Fans bestätigten damals lauthals, „Ja, das ist es“, das ist die Musik „du jour“, die mit der richtigen Dosis Räudigkeit ein neues Jahrtausend an Gitarrenmusik einläutet. Dieser ganz große Coup ist den Strokes genau einmal gelungen – später verloren sich die fünf um Sänger Julian Casablancas und Gitarrist Albert Hammond Jr. in Entwicklungszwang und Soloprojekten.

Alles vergessen, so scheint es beim ersten Durchhören der neuen neun Songs, die frech und grundentspannt anmuten. Die Strokes lassen sich erstmals Zeit: Zwischen den Songs hört man das Knistern des Studios, knarzende Instrumente, die Stimme von Casablancas, die nach neuen Melodien sucht. Es riecht nach neuem Selbstbewusstsein, wofür auch Produzent Rick Rubin verantwortlich sein dürfte, jener Produzent, der schon bei etlichen schlappmachenden Rockern (Red Hot Chili Peppers) als Art Eigenblutdoping erfolgreich eingesetzt wurde.

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Staubige Garage gegen coolen Club getauscht

Mit Referenz auf Basquiat haben die Strokes im neuen Werk die staubige Garage mit dem coolen Club getauscht, geradezu exaltiert dringt Casablancas Organ begleitet von flirrenden Synthie-Klängen in Songs wie „Selfless“, „Eternal Summer“ oder „Brooklyn Bridge To Chorus“ in bisher ungeahnte Disco-Höhen vor. Und obwohl das zentrale „Bad Decisions“ am meisten nach den Strokes von damals klingt, wird hier von Post-Punker Billy Idols „Dancing With Myself“ abgekupfert. Der Brite wird als Mitautor im Booklet angeführt.

Diesen Anflug von Nostalgie nimmt man – wie zuletzt bei den Arctic Monkeys – jetzt auch den Strokes nicht übel, viele auch ungewöhnliche Nummern, wie „At The Door“, passen, weil das Grundrezept stimmt. Ergreifende Melodien catchen die Hörer, mehr als die Textfetzen, die Casablancas für seine Songs dichtete. Es geht um Liebe, Tanzen auf dem Mondstrahl oder die 80er – die normale Normalität eben.

Alternative The Strokes: The New Abnormal. RCA Records.


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