Vorwürfe von Verbraucherschützer erzürnen Tirols Justiz

Verbraucherschutzverein-Obmann Peter Kolba zweifelt Unabhängigkeit der Justiz in Tirol an. Die Empörung ist groß.

Über 70 Prozent jener, die sich beim Verbraucherschutzverein gemeldet haben, sollen zuvor Urlaub in Ischgl gemacht haben.
© iStock Editorial

Innsbruck –Mehr als 4500 Personen haben sich bis dato beim Verbraucherschutzverein (VSV) gemeldet, die Anfang März in Tirol zum Skifahren waren und sich dabei mit dem Coronavirus angesteckt haben sollen, die TT berichtete bereits. Der VSV hat eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eingebracht und eine Sammelklage angekündigt. Die ersten 50 Fälle als Privatbeteiligtenanschlüsse an das Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft habe man am Dienstag einbringen wollen. „Hunderte werden folgen. Damit sollte die Staatsanwaltschaft genug Anhaltungspunkte für Ermittlungen haben“, so VSV-Obmann Peter Kolba in einer Aussendung. Kolba rechnet mit einem Schadenersatzanspruch von über fünf Millionen Euro.

Rund 75 Prozent der eingelangten Fällen würden Ischgl betreffen, der Hauptteil seien Deutsche. Kolba kündigte zudem an, prüfen zu lassen, ob die Amtshaftungsklagen in Wien anhängig gemacht werden können: „Da sollte – nach allem, was wir bisher erleben – eine gerichtliche Beurteilung unabhängiger möglich sein als im Land Tirol.“

Für den Sprecher des Landesgerichts, Vizepräsident Andreas Stutter, ist dieser Vorwurf ungeheuerlich: „Das ist ein Anwurf auf die Unabhängigkeit der Justiz in Tirol.“ Das wolle die Justiz nicht auf sich sitzen lassen: „Wir weisen das aufs Schärfste zurück. Es gibt keinen Anlass für solch einen Vorwurf“, so Stutter.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr, bestätigt auf TT-Anfrage, dass „seit Ende letzter Woche laufend (bis dato 45) gleich formulierte Schreiben von deutschen Touristen einlagen, die mitteilen, nach ihrem Skiurlaub erkrankt zu sein und daher Schadenersatzansprüche geltend zu machen“. Zur Klärung, ob die Ansteckungsgefahr in den Wintersportorten durch jemanden schuldhaft herbeigeführt oder nicht verhindert wurde, „bringt das aber noch nichts“. Nur aufgrund einer Erkrankung in oder nach einem Skiurlaub sei man nicht auch gleich Zeuge einer Straftat. (mami)

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