Covid19: Geringe Fallzahl im Außerfern kein reiner Zufall

Im Außerfern treffen geografische und wirtschaftliche Besonderheiten auf extrem vernetzte Arbeitsweisen von BH Reutte, Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten.

Absolut gerade einmal 55 Corona-Fälle verzeichnete der Bezirk Reutte.
© Thomas Böhm

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Die im Vergleich zum Rest Tirols und Westösterreichs äußerst geringen Fallzahlen bei Corona-Fällen im Bezirk Reutte fallen auf. Absolut gerade einmal 55 Fälle sind ungewöhnlich wenig, auch wenn das Außerfern nur 32.000 Einwohner hat. Bisher ist ein Todesopfer zu beklagen. Die auf dem amtlichen Dashboard des Gesundheitsministeriums ausgewiesenen Erkrankten reihen den Bezirk an die letzte Stelle Tirols – „nur“ 168 Fälle pro 100.000 Einwohner sind dort vermerkt. Im Corona-Hotspot Landeck heißt die Vergleichszahl 2139, in Kitzbühel 535 oder 456 in Imst. Auch Innsbruck hat wenig Fälle mit 288 pro 100.000 Einwohnern aufzuweisen, aber das Außerferner Ergebnis ist noch einmal um ein Vielfaches niedriger. In der Mehrheit der 37 Orte zwischen Biberwier und Vils, Pinswang und Steeg gibt es nicht einen einzigen Fall.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber nicht zufällig – ist sich der ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses (BKH) Reutte, Eugen Ladner, sicher. Was schon viele Außerferner in den letzten Wochen immer wieder geäußert haben, ist auch für den Primar inzwischen ein „Segen“: der Fernpass. Erstmals wird die Barriere zum Inntal als positiv wahrgenommen. Ladner, der sich intensiv mit der Corona-Sonderstellung des Bezirkes Reutte beschäftigt hat, nennt Abgeschiedenheit und Zersiedlung des Flächenbezirkes als Gründe. Das Außerfern ist dreimal so groß wie Wien. „Hier wird Social Distancing tagtäglich gelebt“, erklärt er, ohne damit gleich den Hinterwald bemühen zu wollen. Zudem sei der Tourismus in der nordwestlichen Ecke Tirols im Vergleich zu den Umsatz- und Corona-Hotspots des Landes ein sanfter.

Eine weitere in Tirol laut Ladner herausragende Stellung nimmt der Bezirk beim medizinischen Versorgungsplan ein. Vor allem die enge Abstimmung und Vernetzung von BH Reutte, BKH Reutte und niedergelassenen Ärzten sei extrem – extrem positiv und zahle sich nun aus. Schon der ehemalige BH Schennach habe wegen der Abgeschiedenheit des Bezirkes erste Krisenpläne erarbeitet, Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf diese nun perfektioniert. Mit Michael Schweiger gebe es zudem einen direkten Verbindungsoffizier, der in allen Gremien sitze.

Primar Eugen Ladner nennt auch rein medizinische Gründe für den aktuell erfolgreichen Weg. „Die Patienten können zu Hause bleiben und werden von Epidemieärzten besucht. Auch kritischen Patienten können etwa daheim ein Antiseptikum inhalieren.“ Ein Stab von 30 Leuten kümmere sich telefonisch um die Corona-Patienten. Ladner ist mit der Wirkung der Maßnahmen hochzufrieden: „Wir haben derzeit keinen einzigen Intensivpatienten im Bezirk.“ Auch zu allen anderen in Quarantäne Befindlichen werde ständig Kontakt gehalten, auch durch die Polizei.

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All diese Maßnahmen würden auch helfen, das BKH Reutte – neben dort eigens eingerichteten Sonderzonen und -abläufen – „sauber zu halten. Denn wir müssen noch monatelang mit Corona leben“, gibt sich Eugen Ladner keinen Illusionen hin.


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