Streetworker: Corona fordert auch mobile Jugendarbeit

Junge Menschen dort aufzusuchen, wo sie sind, ist für die mobile Jugendarbeit zentral. Derzeit geschieht das etwa über Instagram. Alle erreicht man so aber nicht.

Das Team von JAM arbeitet derzeit – notgedrungen – rein digital.
© JAM

Hall, Telfs –Mobile Jugendarbeit: Das bedeutet eigentlich, junge Menschen physisch in ihrer Lebenswelt aufzusuchen, konstante Beziehungen aufzubauen, ihnen „in echt“ gegenüberzusitzen. Corona zwingt auch hier zu neuen Ansätzen: Die Streetworker sind weiterhin aktiv – derzeit allerdings zu 100 Prozent digital, besonders auf Instagram. „Unser Riesenvorteil ist, dass wir schon vorher Erfahrung mit digitaler Jugendarbeit hatten und das Vertrauensverhältnis schon da ist“, meint Regina Fischer, Geschäftsführerin der Mobilen Jugendarbeit JAM, die sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren im Raum Hall, Rum, Absam und Mils richtet.

„Unsere Angebote (nach den Prinzipien der Freiwilligkeit, Verschwiegenheit und Parteilichkeit für Jugendliche, Anm.) bleiben aufrecht“, betont JAM-Mitarbeiter Pius Eccher. Die bisherige Erfahrung – auch tirolweit – zeige: Bestehende Kontakte zu Jugendlichen zu halten und zu pflegen, gelinge über soziale Medien durchaus. „Allerdings kommen auf diesem Weg keine neuen Kontakte hinzu.“

Und Eccher verweist auf eine weitere Schwierigkeit: Jugendliche, die die Schule (auf digitalem Weg) nicht erreicht, könne auch JAM kaum erreichen. „Wir hatten sonst immer den ,Joker‘, dass wir andere Wege gehen konnten – in den Parks, an Bushaltestellen, niederschwellig. Das fällt jetzt komplett weg.“ Die Gefahr sei, dass schon bestehende Unterschiede im Zugang zu Bildung durch die Krise verschärft werden könnten: Jugendliche aus ökonomisch benachteiligten, digital nicht oder nur schlecht ausgestatteten Familien mit wenig bildungsaffinen Vorbildern und oft nicht-deutscher Muttersprache hätten es jetzt noch schwerer. „Wir freuen und schon, wenn wieder normale Außendienste möglich sein werden“, meint Eccher.

Bis dahin könne man natürlich trotzdem ein vertrauensvolles Gespräch mit den JAM-Mitarbeitern suchen (auch über Instagram). „Bei akuten Krisen vermitteln wir zu Rat auf Draht oder KIZ – Kriseninterventionszentrum weiter, die rund um die Uhr erreichbar sind.“

Auch die Mobile Jugendarbeit Telfs hält über die Social-Media-Kanäle Kontakt zu den Jugendlichen und bietet ein vielfältiges Online-Programm sowie die Möglichkeit zur telefonischen Aussprache. (TT, md)


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