Helden des Alltags: 24 Stunden im Dienst auf einer „Geisterstraße“

Michael Thurnes arbeitet auf der Autobahnmeisterei St. Jakob am Arlberg. Trotz Corona-Krise sind er und seine Kollegen rund um die Uhr im Einsatz.

Michael Thurnes vor einem Räumfahrzeug. Ende März gab es noch Schneefall auf der Arlbergstrecke.
© Reichle

Von Matthias Reichle

St. Jakob –Es war für ihn ein ungewohntes, regelrecht „ungutes“ Gefühl, in den vergangenen Wochen auf der Arlbergstraße unterwegs zu sein. Normalerweise wird die Strecke täglich von Tausenden Fahrzeuge genutzt, Staus zum Urlauberwechsel sind Normalität. Dann kam die Corona-Krise. „Manchmal dauert es da fünf Minuten, bis mir das erste Auto begegnet ist“, erzählt Michael Thurnes. Wie auf einer „Geisterstraße“ sei es manchmal gewesen.

Der 24-jährige Tobadiller ist Mitarbeiter der Autobahnmeisterei in St. Jakob – quasi im Hotspot der Krankheit in Tirol. Trotz der veränderten Situation sind er und seine Kollegen auch weiterhin im Einsatz. 62 Kilometer betreuen die Mitarbeiter des Stützpunktes – rund um die Uhr.

Die Fahrzeugzahlen sind allerdings dramatisch zurückgegangen. Auf der Arlbergstrecke rechnet man seitens der Asfinag mit einem Rückgang von 30 Prozent bei den Lkw und von 80 Prozent beim Individualverkehr.

In der Krise stellte auch die Autobahnmeisterei auf Notbetrieb um. Viele Kollegen blieben zuhause – auch Thurnes hat zuletzt Zeitausgleich abgebaut. Die Betreuung der Strecke wurde aber aufrechterhalten.

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Als es in den ersten Wochen zum Beispiel geschneit hat, waren die Räumfahrzeuge wie gewohnt im Einsatz. Inzwischen ist man dabei, die Straße fit für den Sommer zu machen – „alles, was so anfällt“, so Thurnes. Es sind deshalb auch wieder mehr Trupps im Dienst: Die Tunnelwäschen stehen an. Und auch der Verkehr hat etwas zugenommen.

Man sei jederzeit erreichbar, wenn entlang der Strecke eine Panne passiert. Derzeit ergreift man dabei aber natürlich erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. „Wir tragen Handschuhe und Schutzmasken, wenn wir Hilfe leisten müssen“, erklärt der Tobadille­r. „Das Händewaschen hat sich inzwischen automatisiert“, betont er.

Gleichzeitig vermeidet man die Kontakte unter den Kollegen. Die Asfinag-Mitarbeiter machen die Übergabe nur noch telefonisch und treten zeitversetzt ihre Schicht an, damit man sich im Ernstfall nicht gegenseitig ansteckt. Fahrzeuge und Arbeitsgeräte werden vor dem Dienstwechsel desinfiziert.

Auch wenn derzeit auf der Strecke weniger los ist – Thurnes erinnert sich nur allzu gut an den Tag, als die Quarantäne­gebiete in St. Anton und im Paznaun ausgerufen wurden.

„Ich war selbst im Einsatz, der Verkehr war extrem“, erzählt er und spricht von regel­recht gefährlichen Situationen. „Am nächsten Tag war die Straße plötzlich leer.“


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