Kronthaler im Rücktritts-Interview: „Ich werde Obmann in Badelatschen“

Der professionelle Volleyball-Sport in Tirol ist seit gestern Geschichte: Macher Hannes Kronthaler beendet nicht nur den Alpenvolleys-Auftritt in Deutschland, sondern zieht sich auch auf Raten komplett zurück.

Hannes Kronthaler findet im TT-Interview klare Worte wie es um die Sponsorenlandschaft in Tirol aussieht.
© gepa

Nach drei Jahren Deutschland haben Sie nicht nur beschlossen, das Projekt Hypo Tirol Alpenvolleys zu beenden, sondern Sie ziehen sich auch als Manager zurück. Warum?

Hannes Kronthaler: Die Corona-Krise ist sicher nicht Schuld an allem, aber es ist für mich der Todesstoß. Ich weiß, dass 80 % meiner aktuellen Sponsoren mit mir weitergemacht hätten, aber wenn dir 20 % fehlen und du eigentlich eine 30-%-Steigerung haben möchtest, ist für mich Schluss. Ich habe nie Schulden gemacht und fange jetzt nicht damit an. Andererseits will ich nicht nur um Platz 5 spielen. Das war nie mein Anspruch.

Mit den Alpenvolleys war man in Deutschland auf Anhieb in den Top drei.

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Kronthaler: Mit den beiden dritten Plätzen waren wir sportlich höchst erfolgreich. Aber ins Finale sind wir am Ende nicht gekommen. Der Volleyball-Sport ist jetzt sicher für ein Jahr kaputt. Danach wird erst wieder angefangen, richtig zu arbeiten. Da sind wir aber noch weit weg von dem, was wir vor der Krise hatten. Das dauert sicher mindestens zwei Jahre. Aktuell wird dem Fußball und der Formel 1 geholfen, danach wird lange nichts passieren, dann kommt irgendwann Volleyball. Es ist sicher der richtige Zeitpunkt zu gehen.

Regiert bei Ihnen beim Blick in den Rückspiegel mehr Lust oder Frust? Sie haben mit Hypo vor über einem Jahrzehnt (2009/10) einen Riesenerfolg in der Champions League (Top sechs) geschafft – inklusive einer regelmäßig ausverkauften USI-Halle. In den letzten Jahren ist der Zuschauerandrang – trotz Deutschland-Engagement – nicht mehr explodiert.

Kronthaler: Die Champions-League-Abende und auch die drei Jahre in Deutschland mit den Alpenvolleys und der Umzug in die Olympiahalle – das alles waren sicher die geilsten Zeiten. Doch es gibt auch eine andere Seite: Vor einem Jahr haben wir 19 von 21 Spielen gewonnen, waren Tabellenführer und trotzdem kamen keine 3000 Zuschauer in die Halle. Auch kein Sponsor aus Tirol oder in Deutschland hat angerufen. Klar, uns fehlt die Volleyball-Tradition, aber verstanden habe ich das nicht. Andererseits bin ich heuer im Tivoli-Stadion beim Top-Match Wattens gegen den LASK vor 500 Zuschauern gesessen. Das ist doch ein Wahnsinn. Normalerweise müsste die Diana Langes-Swarovski (Präsidentin, Anm.) sagen: „Danke, das war’s. Macht euch das selber.“ Da gibt es aber noch mehrere Sachen, die mich ärgern.

Zum Beispiel?

Kronthaler: Wenn die Dame des Tourismusverbands, die noch nicht einmal bei einem meiner Spiele zuschauen war, lieber 200.000 bis 300.000 Euro für die Lizenz des Crankworx (Mountainbike-Freeride-Event, Anm.) in die USA überweist, mir aber keine 30.000 Euro Unterstützung geben will. Da bin ich froh, dass ich mich mit solchen Personen nicht mehr unterhalten muss. Und wenn ich noch frech gefragt werde, wie viele Nächtigungen sich durch die Investition im Volleyball ergeben würden. Beim Crankworx wären es 1000 Nächtigungen. Ganz sicher, ich bin ja nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen.

Das klingt frustrierend.

Kronthaler: Sagen wir einmal so: Es regieren 60 % Wehmut, 40 % Erleichterung in mir.

Die Mannschaft Hypo Tirol Volleyballteam in der zweiten österreichischen Liga bleibt bestehen. Das trifft auch auf den Nachwuchs zu, oder?

Kronthaler: Mein Hauptsponsor macht für drei Jahre weiter und damit sind der Nachwuchs und die zweite Mannschaft abgesichert. Stefan Chrtiansky (Headcoach, Anm.) führt das alles als Chef weiter. Es gibt die Option, den Aufstieg in die höchste österreichische Liga (AVL, Anm.) zu schaffen. Es wird im Fall der Fälle aber keine Aufrüstung des Teams oder eine Rückkehr in den Europacup geben. Ich werde mich zurücklehnen und das Feld anderen überlassen. Das verspreche ich.

Die nächsten drei Jahre werden Sie Obmann sein.

Kronthaler: Ein Manager hat immer eine Dreifach-Belastung: Die Mannschaft muss gewinnen, die Hütte voll sein und das Budget passen. Das mag ich alles nicht mehr. Ich werde jetzt ein Obmann in Badelatschen sein. (lacht)

Dann bleibt Zeit für ein Treffen mit ihrem ehemaligen Lieblingsgegner und Ex-ÖVV-Präsidenten Peter Kleinmann?

Kronthaler (lacht): Den hätte ich heuer zu den Play-offs eingeladen, aber durch die Absage ist es dazu nicht mehr gekommen. Aber zwischen Peter und mir passt alles. Er mag mich und ich mag ihn. Was das Obmann-Dasein betrifft, will ich in drei Jahren einen Nachfolger präsentieren. Bis dahin hat Stefan alle Zügel in der Hand. Er wird auch schauen, dass in der zweiten Mannschaft nur die spielen, die sportlich Gas geben wollen. Wir brauchen niemanden, der vor dem Saisonstart am Gletscher Ski fahren geht.

Das klingt nach Angriff. Vielleicht gibt es ja doch ein Manager-Comeback in Liga eins? Es gibt da einen sportlichen Leiter im Jogginganzug in Kärnten (Martin Micheu, Anm.), der würde sich freuen.

Kronthaler (lacht): Das können Sie vergessen. Aber der Micheu hat schon wegen Niklas (Sohn, Außenangreifer, Anm.) angerufen.

Das Gespräch führte Daniel Suckert


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