Architekturjuwel zum Dank für Marias Hilfe

Die Innsbrucker Mariahilfkirche, 1815 von Josef Leopold Strickner aquarelliert.
© TLM

Innsbruck – Wenn Tirol vom Dreißigjährigen Krieg verschont werden sollte, gelobten am 1. Februar 1647 die Tiroler Landstände feierlich, in Innsbruck zu Ehren der Gottesmutter eine Kapelle zu bauen. Die Urkunde, die dieses Gelöbnis dokumentiert, ist von Vertretern von Klerus, Adel, der Bürger und Bauern besiegelt, jedoch nicht vom Landesfürsten.

Warum das so ist, erfährt man neben allerlei Wissenswerten rund um dieses barocke Architekturjuwel in der vom Innsbrucker Denkmalpfleger Reinhold Rampold verfassten, reich bebilderten Broschüre.

Kein Geringerer als der Innsbrucker Hofbaumeister Christoph Gumpp wurde 1647 mit dem Bau der kleinen Kirche beauftragt, zwei Jahre später war ihre Hülle fertig. 1650 stuckierte Hans Schor den Innenraum, mit dessen künstlerischer Ausgestaltung wurden u. a. Michael und Kaspar Waldmann betraut. Um die rund 21.700 Gulden, die die Kirche gekostet hat, finanzieren zu können, wurde zwei Jahre lang für jedes im Land verkaufte Pfund Fleisch ein Aufschlag von zwei Pfennigen eingehoben.

Interessant zum Nachlesen ist auch die Geschicht­e rund um das von Lucas Cranach d. Ä. um 1537 gemalte Gnadenbild, das man so gern aus dem Innsbrucker Dom in die Mariahilfer Kirche übersiedelt hätte. Was nicht funktioniert hat, weshalb Michael Waldmann d. Ä. 1654 eine Kopie des Bildes anfertigte, der um 1681/84 Hans Jakob Pfaundler zwei Kronen aus vergoldetem Kupfer aufgesetzt hat.

Weitere Kapitel erzählen von den Kaplänen, die mit der Leitung der von adeligen Stiftungen abhängigen Landschaftlichen Pfarre Mariahilf betraut waren, bzw. von ihrem Wandel zu einer „normalen“ Pfarr­kirche.

Kaum bekannt sein dürfte auch, dass Elisabeth von Mayrhofer Mitte des 19. Jahrhunderts ihre zwei neben der Kirche liegenden Häuser der Pfarre vermacht hat, um hier einen Kindergarten bzw. eine Schule einzurichten. Rampold erzählt aber auch vom kirchlichen Brauchtum in Mariahilf, von Widum, Pfarrgarten und dem Tiroler Landesfriedhof. Bevor im abschließenden Kapitel die Mariahilfer Kirche mit den Augen Tiroler Künstler, u. a. jener von Gerhild Diesner, Wilfried Kirschl, Max Weiler oder Michae­l Ziegler, gesehen wird. (schlo)


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