Freiwillige Helfer in Tirol: Endlich Zeit, den inneren Menschenfreund freizulassen

Durch die Corona-Krise entdecken viele Menschen ihre soziale Ader. Das Rote Kreuz Kufstein freut’s: Ein Gros der Ehrenamtlichen muss derzeit pausieren.

Mit der Feldküche werden die Ehrenamtlichen, aber auch Angestellte der Bezirkshauptmannschaft, derzeit mit Essen versorgt.
© ÖRK Kufstein

Von Jasmine Hrdina

Kufstein – In der Krise offenbart sich der wahre Charakter eines Menschen, heißt es. Und der zeigt sich bei manch einem sozialer als bisher selbst angenommen. „Zumindest ist das Bedürfnis, in der Krise anderen zu helfen, sehr groß“, schildert Florian Margreiter, Bezirksrettungskommandant beim Roten Kreuz im Bezirk Kufstein.

Seit Beginn der Corona-Maßnahmen in Tirol melden sich immer mehr Menschen beim Verein, sie alle wollen helfen. Diesen Eifer kann man gebrauchen: Alle ehrenamtlichen Mitglieder, die zur so genannten Corona-Risikogruppe gehören, dürfen derzeit nicht eingesetzt werden.

Das trifft vor allem jene Angebote des Roten Kreuzes hart, die gerade in der Krise – wo Menschen weniger oder kein Geld verdienen – gefragt sind: etwa die Tafel oder der Kleiderladen. „Schätzungsweise 60 bis 70 Prozent unserer Mitglieder sind dort über 65 Jahre alt und dürfen damit zurzeit nicht mithelfen“, nennt Bezirksgeschäftsführer Stephan Vitéz das Problem.

45 Neuzugänge habe man in den vergangenen vier Wochen in den verschiedensten Bereichen einschulen können. Einer von ihnen kam der Blaulichtorganisation besonders gelegen: Nachdem ein Großteil des Teams der Feldküche quasi altersbedingt pausieren muss, kam die Anfrage von Koch Leonhard Büchler gerade recht. Der 25-jährige Wahl-Kufsteiner unterstützt das Team seit vier Wochen nicht nur mit seinem kulinarischen Fachwissen, er war in seiner Heimat im Bayerischen Flintsbach auch bereits Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes und der Feuerwehr, er kennt die Strukturen und Philosophie dahinter.

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„Was mich begeistert, ist das Gemeinschaftsgefühl. Man kommt als Neuling an und ist sofort Teil des Teams“, schwärmt der Freiwillige, der sich auch bei der Kufsteiner Feuerwehr engagiert. Da das Restaurant, in dem er normalerweise im Kufsteiner Zentrum aufkocht, derzeit geschlossen ist, habe er viel Zeit. Aber auch nach der Krise will er beiden Organisationen erhalten bleiben.

Koch Leonhard Büchler (25) ist seit vier Wochen Teil des Verpflegungsteams des Roten Kreuzes in Kufstein.
© RK Kufstein

Aktuell kredenzt das Rote Kreuz an den Wochenenden Mahlzeiten für alle Helfer im Einsatz, auch die Angestellten der Bezirkshauptmannschaft werden mit Köstlichkeiten wie Rahmschwammerl mit Semmelknödel, einem Spargel-Erdbeer-Salat, Rindsgulasch oder Geflügelcurry versorgt. „Es gibt immer eine Vor-, Haupt- und Nachspeise“, gibt Büchler Einblicke in die Feldküchen-Speisekarte.

„Wenn uns jemand seine Zeit spendet, hilft uns das derzeit mehr als Geld“ sagt Geschäftsführer Vitéz. Auch wenn finanzielle Hilfen für die Organisation substanziell sind. Wichtige Einnahmequellen wie das Warenhaus oder die Kleiderläden fallen derzeit weg, die Fixkosten jedoch bleiben. Das treffe das Rote Kreuz genauso wie andere Unternehmen.

700 Ehrenamtliche beteiligen sich im Bezirk Kufstein an den RK-Angeboten, von der Tafel bis zum Lernhaus. Interessierte können sich aktuell unter der Tel. 0664/80144810 melden, lädt Margreiter ein: „Gemeinsam schauen wir uns an, welche Fähigkeiten derjenige hat, etwa eine handwerkliche Begabung, und überlegen, wo wir ihn am besten einsetzen können.“ Besonders gefragt seien dieser Tage jüngere Menschen, die auch unter der Woche Zeit haben.

Der Auslauf für den inneren Philanthropen – nur ein temporäres Phänomen? Margreiter: „Wir hoffen, dass viele auch nach der Krise bei uns bleiben werden.“


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