Bisher zu wenig Niederschlag in Osttirol: „Jedes dritte ist ein Dürrejahr“

Bisher kaum ernstzunehmende Niederschläge in Osttirol. „Die letzten Jahre waren nicht sehr motivationssteigernd“, sagt der Landwirtschaftskammervertreter Martin Diemling.

Bewässerung von Grünland in Thurn, im Hintergrund nach den Sturmschäden gerodete Wälder.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz – Die letzten Jahre waren für die Osttiroler Landwirte nicht einfach. Es gab große Schäden in den Wäldern, allein im vergangenen Herbst hat das Sturmtief Vaia Schutzwald in ungeahntem Ausmaß in nur einer Nacht zerstört. Die Aufräumarbeiten sind nicht abgeschlossen. Die Wiederaufforstung an den steilen Hängen ist aufwändig, und bis die vielen gerodeten Wälder im Bezirk wieder Holz liefern können, vergehen Jahrzehnte. Zugleich waren die Jahre 2018 und 2019 von Trockenheit gekennzeichnet. Als nur eine direkte Folge davon mussten die Bauern Futter für ihre Tiere zukaufen.

„In der Landwirtschaft geht es um das Gernetun, um Idealismus und Begeisterung, und nicht nur ums Geld“, sagt Martin Diemling, Regions- und Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer in Lienz. „Und ganz ohne Jammern kann ich sagen: Die letzten Jahre waren nicht gerade motivationssteigernd.“

Auch das heurige Jahr ist für die Osttiroler Bauern nicht besonders gut angelaufen. Es fehlen nach Angaben der Hagelversicherung bisher gut zwei Drittel an Niederschlag. Die Zentralanstalt für Meteo­rologie weist für den Raum Lienz und Teile Oberkärntens ein völliges Ausbleiben im Jänner und Februar aus. Die Felder sind inzwischen trocken. Der letzte ernstzunehmende Niederschlag war im November, als das verheerende Nassschneeereignis alle Osttiroler Seitentäler abschnitt und die Bahnstrecke zwischen Lienz und Innichen für drei Monate unpassierbar machte. Im Pustertal sehen seither zahlreiche Wälder auf den ersten Blick zwar gesund aus. Sieht man aber genauer hin, entdeckt man das Problem: Sturmböen haben in den Unwettertagen fast alle Baumwipfel geköpft. „Diese Schäden können wir noch gar nicht bemessen“, stellt Diemling fest. Denn man sei noch immer ratlos, was mit den betroffenen Wäldern geschehen soll: „Abholzen? Stehenlassen? Die Eigentümer haben über 20, 30, 50 Jahre hoffnungsvollen Jungwald geschaffen. Arbeit, die mit einem Schlag zu einem großen Teil zunichtegemacht wurde.“ Ein, zwei Jahre habe man Puffer und könne mit Rückschlägen leben. „Aber irgendwann geht einem die Motivation verloren, wenn sich Missernten und Ausfälle häufen. Das ist das größte Problem. Wie findet man dann die Freude an der eigenen Arbeit wieder?“

Das Ausbleiben von ausreichenden Niederschlägen seit Jahresbeginn sieht der Bezirksstellenleiter zwar mit Wachsamkeit, aber bisher noch ohne Sorge. „Ich bin seit 20 Jahren für die Kammer tätig. Jedes dritte Jahr hatten wir ein Dürrejahr. Wir müssen das als Normalität akzeptieren.“ Der Bezirk Lienz sei als eine inneralpine Trockenzone auszuweisen. Diemling sieht auch jahrhundertealte Bewässerungsstrukturen in den Lienzer Umlandgemeinden als Beleg dafür, dass man schon in früheren Zeiten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte wie heute. „Darum wurden beispielsweise schon früher Bewässerungsrechte grundbücherlich geregelt.“

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Auch wenn die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen in Osttirol bisher noch die Ausnahme sei, um dieses Thema werde man über kurz oder lang nicht herumkommen. „Tiefbrunnen sind kostenintensiv in der Herstellung und im Betrieb, das lohnt sich bei uns nur für Sonderkulturen wie den Obstanbau“, ist Diemling überzeugt. Außerdem sei dieses Wasser zu kalt und müsse vor seinem Einsatz in Zwischenspeichern wärmer werden. Regenwasserrückhaltebecken könnten dagegen ebenso zur Linderung von Dürreperioden beitragen wie Windschutzhecken zwischen den Feldern.

„Das letzte Jahr war zu trocken und zu warm, hoffentlich wird es heuer besser“, meint der Bezirksleiter. „Wie wir wissen, regeneriert sich die Natur in kürzester Zeit.“


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