Junge Flüchtlinge aus Griechenland in Deutschland erwartet

Mehr als 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen am Samstag an Bord eines Flugzeugs aus Athen nach Hannover gebracht werden. Sie sind die zweite Gruppe von Minderjährigen, die aus den Lagern der Inseln Lesbos, Chios und Samos geholt werden. Bereits am Mittwoch waren zwölf Jugendliche von Luxemburg aufgenommen worden. Österreich beteiligt sich nicht an dieser Aktion mehrerer EU-Länder.

Der Plan sieht vor, dass rund 1.600 Jugendliche in andere EU-Staaten gebracht werden. Gut 90 Prozent der Minderjährigen sind Buben. In den Lagern der Inseln im Osten der Ägäis harren zurzeit gut 39.000 Menschen aus. Etwa 36 Prozent sind nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) Minderjährige.

Die EU-Kommission begrüßte die Aktion. Sie zeige, „dass die europäische Solidarität auch in diesen schwierigen Zeiten des Coronavirus funktioniert“, sagte EU-Flüchtlingskommissarin Ylva Johansson den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die 50 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sollen zunächst in Niedersachsen 14 Tage in Quarantäne verbringen und dann auf verschiedene Bundesländer verteilt werden. „Diese Kinder können jetzt ihre Zukunft beginnen. Das ist sehr wichtig“, sagte Johansson. Insgesamt haben sich nach ihren Angaben nun zehn bis elf Staaten bereit erklärt, jeweils einen Teil von insgesamt 1.600 Flüchtlingskindern aufzunehmen. Österreich beteiligt sich nicht.

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Den Eindruck, dass sich die Aktion verzögert habe, wies die Kommissarin zurück: „Es gab keine Verzögerung. Wir sind viel schneller als erwartet.“ Am 12. März habe sie in Griechenland den Behörden die Aufnahmebereitschaft von zunächst acht EU-Staaten mitteilen können. „Es blieb nur ein Monat, um das umzusetzen, um die unbegleiteten Minderjährigen aus dem Lager zu bringen - vorsichtig wegen des Virus -, um sie in ein Zentrum auf dem griechischen Festland zu bringen, sie zu identifizieren, sich mit den beteiligten Organisationen, den Mitgliedstaaten und der Kommission abzustimmen“, sagte die Kommissarin.

Ihr Plan sei es, die Umsiedlung im Mai oder Juni abzuschließen, dies hänge aber von der Entwicklung in den Mitgliedstaaten ab. Johansson drang zugleich auf weitere Umverteilungsaktionen. Es gebe in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln neben den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen weitere gefährdete Gruppen.

Besorgt äußerte sich die Kommissarin über die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus in den Lagern. Die Situation in den Lagern führe für viele Menschen zu inakzeptablen Lebensbedingungen - bereits vor der Coronakrise. Zum Glück gebe es aber in den Lagern bisher keine Coronafälle.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer rief unterdessen die anderen europäischen Staaten auf, ebenfalls unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in ihre Länder auszufliegen. „Deutschland hält Wort und zeigt Solidarität“, sagte er der Zeitung „Bild am Sonntag“. Er gehe davon aus, „dass unsere europäischen Partner damit beginnen, ihre Zusagen nun ebenfalls sobald wie möglich umzusetzen“.


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