Ölmarkt spielt verrückt, Sprit noch kaum billiger

Die Rohölpreise waren am Dienstag weiter im Sinkflug. Benzin, Diesel und Heizöl wurden etwas billiger, aber Autofahrer profitieren dennoch kaum.

Die Spritpreise sanken in den vergangenen Wochen wegen der geringen Nachfrage auf das Niveau von 2004.
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Wien – Ausgelöst durch die Corona-Krise hat sich an den Ölmärkten historisch Einmaliges ereignet: Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI ist am Montagabend zum ersten Mal in der Geschichte ins Negative gedreht. Das Phänomen steht für die zuletzt dramatische Entwicklung am Rohölmarkt. Eine Trend­wende ist angesichts der krisenbedingt zusammengebrochenen Nachfrage und der immer noch hohen Förderung aber nicht zu erwarten.

Warum stehen die Ölpreise unter Druck?

Experten verweisen auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. In vielen Ländern der Welt droht die Wirtschaft in eine schwere Rezession zu rutschen. Dies dämpft die Nachfrage nach Rohöl. So ist der Flugverkehr fast zum Erliegen gekommen. Auch die beschlossenen Ölförderkürzungen des Ölkartells OPEC und verbündeter Länder wie Russland werden nur als halbherzig angesehen.

Wie können Ölpreise negativ werden?

Der negative Ölpreis für US-Öl WTI bezog sich auf den Terminkontrakt für Mai. Dabei verpflichtet sich ein Käufer, Rohöl zu einem bestimmten Termin zu erwerben. Derzeit will aber wegen der fehlenden Nachfrage kaum jemand Rohöl tatsächlich haben. Die Öl­lager sind vielerorts dabei voll und ist zudem extrem teuer.

Bleibt der Ölpreis negativ?

Experten erwarten das nicht. Der Juni-Kontrakt für US-Rohöl lag gestern Nachmittag wieder mit 11,59 US-Dollar (10,67 Euro) im Plus. Die für Europa wichtige Nordseesorte Brent kostete am Dienstag 18,10 Dollar. Das waren 5,45 Dollar weniger als am Vortag. Eine Erholung der Preise ist aber auch nicht in Sicht. Die weitere Entwicklung hängt vor allem vom Fortgang der Corona-Krise ab.

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Wie wirkt sich der Preisverfall auf den Spritpreis aus?

Der historische Ölpreisabsturz in den USA wirkt sich noch nicht direkt an den europäischen Zapfsäulen aus. Hierzulande kommt es vielmehr auf die Nordseesorte Brent an. Laut dem ÖAMTC sind die Spritpreise von Ende Februar bis Ende März um 10 Prozent auf 1,066 Euro bei Diesel gesunken, beim Super waren es 1,100 Euro. Gestern Nachmittag sank der Preis für Superbenzin an der billigsten Tankstelle laut spritvergleich.at in Tirol teilweise auf 0,968 Euro und war somit „nur“ um 3 Cent billiger als eine Woche davor. Diesel wurde im selben Zeitraum an der günstigsten Tiroler Zapfsäule mit gestern 0,957 Euro um 25 Cent billiger.

Profitieren die Autofahrer von den niedrigen Spritpreisen?

Wegen den corona­bedingten Einschränkungen profitieren die Autofahrer derzeit nur sehr eingeschränkt von den niedrigen Preisen. Der österreichische Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) berichtete gestern von Absatzrückgängen von bis zu 80 Prozent an den Tankstellen.

Wirken sich die niedrigen Ölpreise auf den Heizölpreis aus?

Bei den Preisen für Heizöl zeigt sich der Preisverfall deutlicher. Laut fastenergy.at kosteten in Tirol 100 Liter im Schnitt 65,71 Euro und damit um 3,23 Euro weniger als am Montag. (APA, dpa, ecke)


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