Viele Fragezeichen und Skepsis: Offene Grenze für deutsche Urlauber?

Inlands-Urlauber und möglicherweise auch Deutsche sollen einen Ausfall der kommenden Sommersaison im Tourismus verhindern. Noch gibt es aber viele Fragezeichen und Skepsis, gerade auch in Deutschland.

Wenn man die Corona-Infektionen im Griff hat, soll mit Deutschland ein Abkommen geschlossen werden.
© Thomas Böhm

Wien, Berlin –Der durch die massiven Corona-Beschränkungen derzeit völlig lahmgelegte Tourismussektor drängt massiv darauf, die Grenzen für deutsche Urlauber im kommenden Sommer zu öffnen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es in diesem Jahr eine andere Art von Urlaub geben wird. Aber dadurch, dass wir die Ausbreitung des Coronavirus relativ gut im Griff haben, planen wir durchaus auch, dass es im Sommer Ferientourismus geben wird“, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) gegenüber der Presse.

📽 Video | Grenzöffnung für deutsche Urlauber?

Die Einschränkung der Reisefreiheit werde den Österreichern in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben. Wenn Länder aber auch auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise auch Deutschland, dann gebe es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt, so Köstinger.

Einen Stichtag für eine mögliche Grenzöffnung wollte Köstinger nicht nennen, zumal ja weitere Corona-Infektionswellen und damit neue Einschränkungen nicht auszuschließen seien. Bis Ende April wolle man aber einen Plan für das stufenweise Hochfahren von Gastronomie und Tourismus vorlegen.

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Gesundheitsministerium zurückhaltend

Das Gesundheitsministerium reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß Köstingers, im Sommer die Grenzen für deutsche Sommerurlauber zu öffnen. Das hänge von der Entwicklung der Corona-Pandemie in Österreich und international ab.

Noch nicht konkret beantworten ließen sich Fragen wie jene, ob es für die einreisenden Urlauber Gesundheitschecks geben wird, ob sie eine Bestätigung des Beherbergungsbetriebs vorlegen werden müssen, ob ihr Aufenthalt in Österreich zeitlich und räumlich (etwa auf ein Bundesland) begrenzt sein wird, welche Pflichten die Unterkunftgeber haben werden und ob ausländische Touristen im Fall einer Erkrankung im Herkunftsland behandelt werden müssten, um Österreichs Gesundheitssystem zu schützen.

Noch sind praktisch überall in Europa die Grenzen dicht, auch zwischen Deutschland und Österreich.
© Bundespolizei

Große Skepsis selbst in Deutschland

Auch in Deutschland wird heftig darüber diskutiert, ob und welche Form von Sommerurlaub heuer möglich sein wird. Für eine von Österreich angedachte Grenzöffnung müsste jedenfalls auch Deutschland mitspielen. Bisherige Äußerungen deuten nicht auf eine Lockerung hin.

Er schätze die Wahrscheinlichkeit, dass Urlaub im Ausland heuer möglich ist, aus gegenwärtiger Sicht eher als unwahrscheinlich ein, ließ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wissen. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung in Berlin, Thomas Bareiß (CDU), schlug in dieselbe Kerbe: „Der Sommerurlaub dieses Jahr wird wahrscheinlich eher in Deutschland stattfinden.“

Deutsche Urlauber

Deutschland stellt im Sommer wie im Winter den mit Abstand wichtigsten Urlauber-Herkunftsmarkt für Österreich. Auf deutsche Urlauber entfielen im Sommer 2019 rund 7,9 Millionen Ankünfte und 29,5 Millionen Nächtigungen.

In Tirol ist der Anteil der deutschen Gäste besonders hoch. Etwa jede zweite der im Vorjahr fast 50 Mio. Urlauber-Nächtigungen kam aus Deutschland. Vor allem in den letzten Jahren hat Tirol bei deutschen Gästen im Sommer kräftige Zuwächse erzielt.

Die Hebel in der Hand hat vor allem Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD). Solange es Ausgangssperren in vielen Ländern gebe, werde dort auch kein Urlaub zu machen sein. „Wir werden das von Woche zu Woche entscheiden.“

Maas hatte Mitte März für alle Länder dieser Welt eine Reisewarnung für Touristen ausgegeben. Und auch in Deutschland ist die Reisefreiheit beschränkt und die Hotels sind geschlossen. In jedem Fall müsse sicher sein, dass Auslandsreisende auch ohne Probleme wieder zurückkommen können, heißt es. 14 Prozent der Deutschen haben ihren Urlaub wegen Corona bereits storniert, 21 Prozent haben geplante Buchungen verschoben. 28 Prozent wollen noch an ihren Reiseplänen festhalten.

NEOS: "Brauchen Plan B für Tourismus"

Tirols NEOS-Chef will von LH Günther Platter dringend einen Plan B für den Tourismus. Mit täglichen PR-Gags und Sprüchen wie „Wir geben die Sommersaison noch nicht auf“ sei das drohende Desaster nicht abzuwenden. Es werde in jedem Fall massive Einbußen geben. „Die Betriebe konzept- und orientierungslos ins offene Messer rennen zu lassen, ist fahrlässig.“ (TT, APA, dpa)


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