Polen gedenkt des Aufstands im Warschauer Ghetto

Polen hat am Sonntag des Aufstands im Warschauer Ghetto vor 77 Jahren gedacht. Wegen der Corona-Pandemie gab es statt großer Gedenkzeremonien in diesem Jahr nur kleine Versammlungen sowie Aktionen im Internet. Polens oberster Rabbiner Michael Schudrich sprach am Mahnmal vor mehreren Dutzend Menschen ein Gebet, bevor unter Einhaltung der Abstandsvorschriften Kränze und Blumen niedergelegt wurden.

Zu Mittag heulten wie in jedem Jahr die Sirenen, um der Aufständischen zu gedenken. Anders als sonst wurden jedoch keine Narzissen aus Papier in den Straßen verteilt, die sich die Bewohner Warschaus traditionell an ihre Jacken heften, um an den gelben Stern zu erinnern, den Juden während der Nazi-Herrschaft tragen mussten. Stattdessen veröffentlichte das Polin Museum für die Geschichte der Polnischen Juden eine Vorlage im Internet, mit der die Blumen aus Karton gebastelt werden sollten. Dem Aufruf, Bilder von den selbstgemachten Narzissen in sozialen Netzwerken zu veröffentlichten, wurde vielerorts gefolgt.

Am 19. April 1943 hatten Hunderte Juden im Warschauer Ghetto entschieden, sich gegen die Nationalsozialisten zur Wehr zu setzen. Zuvor hatten die Nazis mit Deportationen der Ghetto-Bewohner in das Vernichtungslager Treblinka begonnen. Die Kämpfe dauerten bis zum 16. Mai und endeten mit der Zerstörung der Großen Warschauer Synagoge.

Schätzungen zufolge wurden 13.000 Juden während des Aufstands getötet. Es gab nur wenige tausend Überlebende. Der Aufstand im Warschauer Ghetto war die größte jüdische Widerstandsaktion gegen die Nazis.


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