Lebensgefahr durch Quarantäne: Sorge um die Ärmsten wächst

Die Caritas fürchtet, dass die Spendenfreudigkeit der Tiroler nachlassen könnte. In vielen armen Regionan Afrikas verursachen die Quarantäne-Maßnahmen unendliches Leid. Tiroler Helfer erhalten Sondererlaubnis.

Die Tiroler Organisation „Kindern eine Chance“ hilft in Uganda. Dort verursachen die Quarantäne-Maßnahmen unendliches Leid.
© Pleger

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Corona in einer armen Region wie Uganda, verlangt noch mehr Opfer als in Europa. Zwar nicht direkt – in Uganda sind laut Weltgesundheitsorganisation bisher 55 Corona-Fälle bestätigt –, aber indirekt, weil die extreme­n Ausgangssperren lebensbedrohliche Szenarien bringen.

„14.000 Kinder mussten auf staatliche Anordnung von den Schulen nach Hause geschickt werden. In den Schulen bekommen die Kinder regelmäßig warme Mahlzeiten“, erzählt Stefan Pleger. Mit seiner ehrenamtlichen Organisation „Kindern eine Chance“ helfen er und seine Frau Gabi Ziller seit Jahren Kindern in Afrika. 13 Schulen mit 3144 Kindern im ländlichen Uganda unterstützen die beiden Tiroler. Corona bedroht dieses Projekt. „Lebensmittelhilfen seitens der Regierung kommen, wenn überhaupt, in den Städten einem Bruchteil der Bevölkerung zugute, der ländliche Bereich geht leer aus“, sagt Pleger. „Unsere größte Sorge gilt den 130 HIV-positiven Kindern, die wir betreue­n. Der öffentliche Verkehr steht still, selbst Motorrad­taxis dürfen nicht mehr fahren und die Kinder kommen nicht ins Spital.“ Die 290 Mitarbeiter der Organisation waren laut Pleger zum Zuschauen verurteilt. Jetzt habe man eine Sondergenehmigung der Regierung erwirkt, um Medikamente und Lebensmittel in die Dörfer liefern zu können. „Je länger der Lockdown dauert, desto größer werden die gesundheitlichen Schäden.“ Die Maßnahmen wie Händewaschen und Hygiene seien in Uganda kaum umsetzbar. „Die Handlungsempfehlungen der WHO sind daher teils zynisch.“ Pleger und Ziller hoffen, das Leben ihrer Schützlinge trotz Corona schützen zu können.

„Die Sorge in Afrika ist zualler­erst der Hunger“, sagt Caritas-Direktor Georg Schärme­r. Er hofft, dass die Spendenfreudigkeit der Tiroler nicht nachlässt. „Wenn jeder in Tirol nur einen Eur­o spendet, dann können wir unsere Afrika-Projekte weiterführen.“ Bereits im Februar hat die Caritas für Projekte in Osteuropa und Asien gesammelt. „In Rumänien und Armenien, wo Menschen teils in Blechhütten leben, können wir mit dem Geld Schutzbekleidung liefern und die Hilfe aufrechterhalten.“

Georg Schärmer (Caritas-Direktor): „Durch Corona wurden Existenzen vernichtet. Die Hilfe, die jetzt gebraucht wird, hat eine neue Dimension.“
© Caritas

In Tirol unterhält die Caritas 30 Sozialeinrichtungen. Zwei Drittel davon könnten auch in Corona-Zeiten ihre Dienste anbieten, erzählt Schärmer. Suchtkranke, Obdachlos­e, Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung und Jugendliche würden im Vollbetrieb laufen. Allerdings hat Corona der Caritas eine Reihe von neuen Zielgruppen beschert. „Menschen sind arbeitslos geworden, da sind Existenzen bedroht und Lebensträume zerplatzt. Die Hilfe, die jetzt gebraucht wird, hat eine neue Dimension.“


Kommentieren


Schlagworte