Cooler als der Kaiser: Ein Mann und „seine“ Festung Kufstein

Für Besucher geschlossen: Das Kufsteiner Wahrzeichen hat Festungswart Werner Vente derzeit für sich allein. Die Krise und ihre positiven Seiten.

Neuer Anstrich für die Bänke: Festungswart Werner Vente findet in der Krise endlich Zeit für lang fällige Dinge.
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Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Es ist ein Privileg, wie es seinerzeit nicht einmal Kaiser Maximilian I. zuteilwurde: Werner Vente hat die Kufsteiner Festung vollkommen für sich allein. Bis zu 500 Besucher erobern an einem durchschnittlichen Apriltag normalerweise das Wahrzeichen inmitten der zweitgrößten Stadt Tirols. Wegen der Corona-Maßnahmen bleiben die Türen derzeit aber fest verschlossen.

Schweißperlen auf der Stirn. Bei den Touristikern, weil sie mit dicken Minuszahlen jonglieren, bei Festungswart Werner Vente, weil es auch ohne Besucheranstürme genug zu tun gibt. Längst sollten die historischen Dächer wieder einmal vom Moos befreit werden, Dutzende Holzbänke vertragen einen neuen Anstrich. „Endlich habe ich Zeit für diese Dinge, die sonst hintanstehen“, freut sich Vente den Pinsel schwingend.

Die Festungsschafe erobern frech neue Winkel.
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Seit zehn Jahren kümmert sich der 47-Jährige um die geschichtsträchtigen Mauern und alles, was im Außenbereich ansteht – vom Wegeaufbereiten über das Austauschen maroder Dachziegel bis zum Fensterputz. Er kennt jeden Winkel, doch so wie in den letzten Wochen habe er die Festung noch nie erlebt – menschenleer. Ungewohnt, doch angenehm. „Es ist wie eine kleine heile Welt hier heroben. Man bekommt nicht viel von dem mit, was sonst passiert“, schildert Vente. Das stehe im krassen Gegensatz zum Alltag seiner Frau, die als Pflegerin auf der Intensivstation im Krankenhaus derzeit eine harte 12-Stunden-Schicht nach der anderen schiebt.

Doch auch die Festung kann in der Krise nicht auf Betreuung verzichten. Die technischen Anlagen müssen immer wieder betätigt werden, damit sie nicht einrosten. Die Grünanlagen wollen versorgt werden, meint Vente. Der Teamgeist sei unter den Kollegen spürbar: „Hildegard Holzer hat gerade erst den Festungs-Kräutergarten liebevoll erneuert.“

Auch die Turmfalken zeigen sich dieser Tage öfter.
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Die Ruhe genießt nicht nur der Festungswart, auch die Schafe dort – Ventes persönliches Herzensprojekt – springen unbehindert von Mauer zu Mauer und rennen quer übers Grün der Kasematten. Die beiden Turmfalken dürften bald brüten, schließt Vente aus seinen Beobachtungen. Ob dann wieder Besucher da sein werden? Langsam wäre es ihm schon recht, „bis dahin genieße ich die Zeit. Wann hat man schon eine ganze Festung für sich allein?“


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